Gebildbrote der Sommer- Sonnen wendzeit,
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blieb als Pest und Seuchen verhütendes Mittel. Hauptsächlich wurdendie Wassergeister an diesem Tage versöhnt.
Um Quedlinburg warf man alljährlich am St. Johannestag einen» schwarzen«< Hahn in die Boda( Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen I,109; E. H. Meyer, Mythologie der Germanen, 204; Zeitschr. d. Ver. f.Volkskunde, IV, 159, 160), an anderen Orten Kinderkleider( die Hülleder Menschenkinder ¹) in Flüsse( Wuttke³, p. 293), in Rottenburg in denNeckar einen Laib Brot( Vossische Zeitung, 1904, Juni, Dr. Krauschner:» Mittsommernacht»); der Flußgeist im Main holt sich nach der Volks-sage( Schöppner, Sagenbuch d. bayr. Lande, III, 58) in der Zeit vonJohannes bis Peter alljährlich ein Menschenopfer, das viele andereSeen und Flüsse, vielmehr die darin hausenden Geister an diesemTage fordern( Wuttke ³, p. 49; Herrmann, Deutsche Mythologie, 437442 etc.; Pfannenschmied, Weihwasser, 81; OberamtsbeschreibungHeilbronn, I, 1901, p. 163; vergl. Schiller, Wilhelm Tell, I. Aufzug,1. Szene; Meyer, Badisches Volksleben, 507; Wolf, Beiträge zur DeutschenMythologie, II, 301 ff.; Liebrecht, Zur Volkskunde, 338). In Schwedenerlaubt der Volksglaube dieses Tages selbst nicht das Waschen derKleider( Hammarstädt, Midsommardaggen).
Wie bei der Wintersonnenwende, so finden wir auch bei derSommersonnenwende einen Totenkult, dem wir schon oben in Spurenbegegnet sind. Auf Johannes ist in der Nürnberger, mit Restenslawischer Volkselemente durchsetzten Gegend noch der Gräber-schmuck üblich.» Die Sitte, am St. Johannesabend für die abgeschiedenenSeelen der Verwandten leere Stühle hinzusetzen( wie für ein Seelen-mahl), soll in Europa bis zum 17. Jahrhundert gedauert haben«<( Tylor,Anfänge der Kultur, II, 36); dazu stimmt, was im 15. Jahrhundertgesagt wurde:» Si circa festum nativitatis Christi aut Johannes Baptistaealiquid superstitiosum egerit, videlicet praeparando mensam pernoctem etc.«( Oberbayer. hist. Vereinsarchiv, 54. B., p. 279), wonachsowohl in der Winter- als in der Sommersonnenwende der Tisch fürdie Nachts einkehrenden Seelengeister gedeckt worden war.
Auch in Dänemark suchen die Toten, wenn am St. Johannestagder Lebenden Lärm und Tummel zu Ende ist, die glühenden Kohlenvon dem brennenden Holzstoße des Johannesfeuers auf, um sichdaran zu erwärmen; denn die Toten haben kalt( Feilberg, DanskeBondeliv, II, 31). In Italien sind am St. Johannestage die Kreuz-brote, ein typisches Seelenkultgebäck, üblich( Montelius in Prome-theus, 281). Beim Eintrachtsmahl in Überlingen( Baden) gibt es denNachbarschaftstrunk für Kind und Kegel und gestiftete Seelenmessenam Johannestag. Im Allgäuer Walsertal wird auf den Alpen dasJohannesfeuer angezündet, wobei für die armen Seelen unterm Brennenvon Wachslichtern gebetet und hernach getanzt wird( Reiser, Sittenund Bräuche im Allgäu, II, 151).
1) Kinder galten noch lange als Opfer bei Flußbrückenbauten( E. H. Meyer, Mytholog.d. Germanen, p. 203).