Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Hausschmuck, Kreuze und Bildstöcke im Ultentale( Südtirol).

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Für die erste Art der Anbringung sind natürlich Kalkwändenotwendig. In Ulten, einem zum größten Teile hochalpinen Tale,herrscht aber der Holzbau vor. Das Blockhaus erhebt sich aufeinem kaum 2 m hohen Steinunterbau. Dieser ist also zu nieder, alsdaß sich Gemälde daran geschmackvoll und weit sichtbar anbringenließen. Selten nur hebt sich dieser Unterbau auf einer Seite zu größererHöhe, wodurch er dann allerdings zur Anbringung von Gemälden'tauglich wird. Wir treffen daher in unserem Tale wenig Bilder inFresko oder ähnlicher Technik, und immer weniger, je weiter wirtaleinwärts dringen oder je höher wir die Talwände emporklimmen.Denn der Steinbau findet sich häufiger nur in dem geschlossenenTeile der am niedersten gelegenen Dörfer Vorder- Ultens, St. Pankraz( 737 m) und St. Wallburg( 1192 m), sehr selten in den Dörfern derhinteren Talhälfte St. Nikolaus( 1264 m) und St. Gertraud, italienischSa. Maria Maddalena( 1512 m), gar nicht bei den besonders das sonnen-seitige Talgehänge begleitenden Einzelhöfen und in den aus solchensich zusammensetzenden Fraktionen St. Helena( 1536 m) und St. Moritz( 1642 m). Danach richtet sich denn auch das Vorkommen der indiese Gruppe fallenden Hausmalereien. Wir begegnen solchen nur inSt. Pankraz( 1, 3, 4a und b, 6 a, 7), in St. Wallburg( 51, 52, 53, 54,58, 59, 60, 61 a und b, 62, 63) und in St. Nikolaus( 125, 127).

Die Gegenstände, welche in diesen Malereien zur Darstellunggelangen, sind natürlich zumeist bäuerliche Schutzpatrone, ¹) dieMuttergottes in allen möglichen Verehrungsformen, vor allem dieMaria Hilf( 1, 4a, 5, 51, 53, 54, 58, 63), die heilige Familie( 7, 61 aund b), Christus am Kreuz mit Maria, Johannes und Magdalena( 62, 125), der heilige Florian( 4 a, 60), der heilige Josef( 58), der heiligeSebastian( 4a), die heilige Helena( 127), der Namén Jesu( 6a). Aberauch andere Sujets werden verwendet. Es begegnet uns ein Jagd-stück( 46), mehrfach eine Sonnenuhr( 52, 59), auffallend selten reicheArchitekturmalerei( 3). So schön bemalte Häuser, wie wir sie ander-wärts oftmals treffen, fehlen in Ulten. Der alpine Charakter, diefrühere Unzugänglichkeit, geringer wirtschaftlicher Wohlstand desTales mögen die Ursachen sein.

Nicht gar zu oft, aber doch einigemal finden wir diese Bilderauch von Inschriften, Sprüchen begleitet. Stil und Orthographielassen meist alles zu wünschen übrig. Die Sprüche sind gewöhnlichreligiösen Inhaltes( 53, 58, 60, 63), auch weltlichen( 46). Ohne zu-gehöriges Bild trifft man Haussprüche in Ulten fast nie.

Die künstlerische Qualität dieser Malereien, insoweit sie figuralsind, schwankt wie überall zwischen Vollendung und greulicherSchmiererei. Es kann der Grundsatz gelten, daß die älteren Stückedie besseren sind. Solche trifft man aber in unserem Tale nichtzahlreich( 4a, 6a und b, 63, 127). Und von diesen kann man als

¹) Über deren Bedeutung vergl. Hörmann: Das Tiroler Bauernjahr."