Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Menghin.

Ich schlage diesen Weg ein. Von meiner engsten Heimat Meran,dem alten Zentrum deutschen Volkslebens in Südtirol, ausgehend,gedenke ich, wie es die Umstände erlauben, die Kreise meinervolkskundlichen Aufnahmen immer weiter zu ziehen, sowohl ingeographischer als in typologischer Hinsicht. Zunächst beschränkeich mich auf den historischen und auch ethnologisch ziemlich ein-heitlichen Begriff des Burggrafenamtes. Vielleicht ist es mir spätergegönnt, mich über dasselbe hinaus zu verbreiten und den Vinsch-gau, das südliche Etschland und das Flußgebiet des Eisak, kurz,den Teil Tirols, den die Italiener treffend mit» Alto Adige« bezeichnen,und trotz seiner mehr als tausendjährigen germanischen Kulturweniger treffend als Appendix für ihren» Trentino« in Anspruchnehmen, in ebenderselben Weise zu behandeln. Die deutschenSprachinseln, insbesondere den deutschen Nonsberg, würde ich inmein Forschungsgebiet einschließen. Weiter würde ich aber nurungern gehen. Denn eine Grundforderung für wirklich tiefschürfendeArbeit auf dem Gebiete der Volkskunde ist die intimste Kenntnis derzu durchforschenden Gegenden; und diese kann man sich wohl nurin der Heimat erwerben.

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Vor allem was die bildende volkstümliche Kunst anlangt, sindwir in den meisten Ländern, auch in dem auf anderen folkloristischenGebieten von Männern, wie J. V. Zingerle, Hörmann, Schneller ,.Alpenburg, Heyl, A. Menghin, Kohl und anderen, wohlerhellten Tirol,von systematischen Untersuchungen noch weit entfernt. Es handeltsich hier um die Erzeugnisse volkstümlichen Gewerbes und volks-tümlicher Kunst, zwischen denen eine scharfe Grenze sich nichtziehen läßt, also um das, was man gemeinhin mit Volkskunst zubezeichnen pflegt, womit man zusammenfaßt, was nicht einerseitszur Volkspoesie, andererseits zum Volksrecht und Volksglaubengehört. Wir begegnen da vielen Typen, von denen einzelne nochgar nicht berücksichtigt sind, andere nur sehr spärlich. So die volks-tümliche Verzierung der Häuser mit Gemälden und Skulpturen, dieKreuze an Wegen und Gebäuden, die Grabkreuze, die Malerei derMarterln, Grab- und Armeseelentafeln, der Bau und die Ausstattungder Bildstöcke und solcher Dinge noch viele.

Erst in jüngster Zeit hat man sich auch auf diesen Gebieten zurühren angefangen. Von L. Hornbach wird seit 1906» MalerischerHausschmuck in Tiroler Dörfern« behandelt. 1) Diese Studie soll sichüber das Inntal, später vielleicht über ganz Nordtirol erstrecken. DieArbeit ist systematisch und daher sehr verdienstlich. Noch verdienst-licher wäre sie allerdings, wenn sich der Verfasser nicht nur aufden geschlossenen Häuserkomplex der Ortschaften, sondern auch aufdie fernab liegenden Höfe verbreiten und doch öfter eine Wertung1) Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs." III. 1906,H. 2, S. 119; IV. 1907, H. 2, S. 159; V. 1908, H. 1, S. 27.