Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Fig. 32. Hochzeitszug in Taufkirchen.

III. Ethnographische Chronik aus Österreich.

Alt- Innviertler Trachtenfest. Es ist hinlänglich bekannt, daß die Innviertler-Trachtengruppe bei dem vorjährigen Wiener Kaiser- Huldigungsfestzug einen großen Erfolggehabt hat. Dieser Erfolg hat nun ein Trachtenfest gezeitigt, das sich in den Pfingsttagenin dem kleinen Orte Taufkirchen bei Schärding abspielte. Es ist anläßlich diesesFestes ein Büchlein erschienen, herausgegeben von dem Lehrer Herrn Fritz Holzingerin Taufkirchen, der als Seele des Unternehmens gelten kann. Nur seiner emsigen,unermüdlichen Tätigkeit ist es gelungen, das Trachtenfest vorzubereiten und durchzuführen.In dem vorerwähnten Büchlein hat das Vorwort der bekannte und für die Volkskundeäußerst tätige Maler Herr Hugo v. Preen aus Osternberg, Korrespondent der k, k. Zentral-kommission für Kunst- und historische Denkmale, geschrieben, der im Vereine mitHolzinger sich ebenfalls um das Zustandekommen dieses originellen Volksschauspieles,welches Taufkirchen in diesen Tagen bot, ungemein verdient gemacht hat.

Das Unternehmen war für den kleinen Ort ein Wagnis, es ist aber geglückt. DasFest war unter der Devise Eine Bauernhochzeit in Taufkirchen"gedacht, das mit dem Tage vor der Hochzeit seinen Anfang nahım. Dieser erste Teil desFestes spielte sich am Pfingstmontag ab.

Auf den trüben Pfingstsonntag folgte ein sonniger, heiterer Pfingstmontagmorgen,der für das Fest schon Gutes vorausahnen ließ, denn das Wetter ist ein gar mächtigerFaktor für den Erfolg von Volksfesten. Nach dem Mittagstische begab man sich in dasHaus des Besitzers des schönen Krößlinger Gutes Felix Weidlinger, der die Primeẞ-wagen samt dem Hausrate beigestellt hatte. Dieses große Bauerngehöft, in dem sich somanches Sehenswerte aus der alten Zeit befindet, wurde von den Gästen unter derliebenswürdigen Führung des Besitzers und seiner Frau besichtigt. Er war stolz darauf,die Primeẞwagen beigestellt zu haben. Hier sei gleich angeführt, daß die Primeß dieHochzeitsausstattung ist, die von einem Tischler des Ortes im Hause der Brautelteinangefertigt und dortselbst in einem schönen Zimn er ausgestellt wird. Am Vortage vorder Hochzeit werden dann die Brautgüter auf die geschmückten Wagen gepackt und dasPrimeßführen beginnt. Es wird nämlich die Ausstattung in das Anwesen des Bräutigamsüberführt. Nachdem die Primeß besichtigt worden war, kehrten die Komiteemitgliederwieder in den Ort Taufkirchen zurück, woselbst sich bereits eine lebhafte Bewegungbemerkbar machte. Von 1 Uhr ab zogen schon aus der Umgebung die Teilnehmer zumFeste herbei, während später Wagen auf Wagen angefahren kam und die Züge aus derRichtung Schärding und aus der Richtung Neumarkt Hunderte von Menschen brachten.Der Platz vor dem Gasthause des Josef Mayr in Taufkirchen war dicht besät von Teil-nehmern, ebenso der Gastgarten sowie der große freie Raum zwischen den Wirtsgebäuden.Zehn Minuten nach 3 Uhr verkündeten Pöllerschüsse das Nahen der Primeß und um 14 Uhrkamen die Primeßwagen bereits angefahren. Voran schritt Herr Weidlinger, dem zweiPrimeẞwagen, geführt von Fuhrleuten in alter Tracht, folgten. Die Hüte der Fuhrleutewaren mit Zweigen und roten und blauen Bändern verziert; ebenso waren mit Bändernund sonstigem Zierate die Pferde geschmückt. Auf den geschmückten Wagen waren dieBrautgüter aufgeladen, die Kasten, Bettstätten, das Bettzeug und ein prachtvoller alter