Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

154

Kleine Mitteilungen.

8. Tschernoschin: Salix, Ölza, Tanne oder Fichte, Birke, seltener Haselnuß,9. Ostrowitz: Wie in Tschernoschin, aber keine Tanne oder Fichte.

10. Schweißing: Salix allein oder mit Ölza und Birke.

11. Ujest, Neuhäusel( Gerichtsbezirk Pfraumberg): Nur Salix.

12. Altzedlisch( Gerichtsbezirk Tachau): Salix, in der Umgebung nochBirke dazu.

13. Damnau( Gerichtsbezirk Plan): Salix, Ölza, Tanne, Birke und dürre Ahornblätter.14. Promenhof( Plan): Salix, Ölza.

15. Sandau( Gerichtsbezirk Königswart): Nur Salix, mit Weidenruten oderPeitschenriemen gebunden.

16. Hangendorf( Gerichtsbezirk Weseritz): Salix, Ölza, Haselnuß, mit Peitschen-schnüren gebunden.

Aus dieser kurzen Übersicht ergibt sich, daß Klokoč, wie schon betont wurde, nurin Mies, Ölza dagegen in den Bezirken Mies, Plan und Weseritz verwendet wird. DerPfraumberg- Tachauer Bezirk und die Gegenden gegen das Egerland zu begnügen sich mitschönen Zweigen der Sahlweide allein.

Die Palmbuschen sind so angeordnet, daß die selteneren Zweige( Klokoč, Ölza) inder Mitte sind. Die anderen Bestandteile( Tanne, Birke, Haselnuß, Stachelbeere und der- sgleichen) dienen mit ihrem dauernden oder frischen Grün lediglich zum Aufputze derBuschen. Die Zweige, namentlich von Klokoč und Ölza, werden schon zu Fastenbeginngeschnitten, wie Barbarazweige ins Wasser gestellt und so zum Blätter- und Blütenansatzegebracht. Wenn aber Ostern spät fallen, müssen auch die Weidenzweige rechtzeitiggesammelt und in den Keller gestellt werden, damit die Kätzchen schön weiß bleiben, dasheißt nicht zum Blühen kommen.

Klokoč, die Mieser Spezialität der Palmbuschen, ist Staphylea pinnata L., gemeinePimpernuß, Klappernuß, Blasennuß, wilde Pistazie, auch Rosenkranzstrauch. Die tschechischeBezeichnung klokoč ist wie die deutsche Klappernuß onomatopoetisch und von demKlappern der knochenharten Samen in den Kapseln hergenommen.) Der Strauch kommthier nur selten in Gärten vor; seine Zweige werden daher umso eifriger gesucht undhäufig förmlich geplündert. Auch im Volksaberglauben steht die Pimpernuß in hohemAnsehen. Grohmann führt einige Beispiele aus tschechischen Gegenden an. In Neubydzowlautet ein Sprichwort: Klokočkem na květnou neděli svěceným utlučeš hastrmana", miteinem am Palmsonntage geweihten Pimpernußzweige kann man den Wassermann erschlagen( a. a. O. S. 13). Wen man mit einem Stecken von Pimpernußbaum schlägt, der wird schwach( ebenda S. 101). Wenn man am 1. Mai in die Kirche geht und einen neunmal geweihtenPimpernußzweig bei sich trägt, so kann man jede Hexe, die dem Hause schaden wollte,an ihrem Pferdefuße erkennen( ebenda S. 101). Eine interessante Sage über die Entstehungder Pimpernuẞ teilt Marie Kautsch in Steyr²) mit: Als einst Feinde ins Land kamen,schnitten sich die Nonnen eines Klosters aus Furcht vor Schändung die Nasen ab. An derStelle, wo jene begraben wurden, wuchs ein Strauch, dessen Früchte harte Nüsse waren.Diese wurden auch als Handschmuck getragen, aber niemals als Rosenkranz verwendet".

Ein anderer in Westböhmen vorkommender Bestandteil der Palmbuschen ist dieTraubenkirsche oder der Elsebeerbaum( Prunus padus L.), dialektisch Ölza. ³) Auchdiese Zweige müssen von dem nur vereinzelt vorkommenden strauchartigen Baume oftweither geholt werden. So wandern die Burschen von Radlowitz und Ostrau zu Beginnder Fastenzeit oft stundenweit( nach Wuttau im Miesatale), um Ölza zu suchen. Im Volks-glauben der Deutschen und Tschechen Böhmens wird der Traubenkirsche ein großerAbwehrzauber zugeschrieben: gegen Mäuse, gegen Hexen, gegen Milchzauber bei Kühen.4)

1) J. Leunis, Synopsis der Pflanzenkunde, 1877, S. 480.

2) Zeitschr. f. öst. Volkskunde, XIII, S. 116.

3) Joh. Andr. Schmeller, Bayr. Wörterbuch, I, 1827, S. 51: Die Elsen, Elzen;Weigand, Deutsches Wörterbuch, I, S. 384: Die Elsebeere; Leunis, S. 424: Elsebeerbaum.4) Grohmann, S. 62, 101, 133.