Kleine Mitteilungen.
153
Pro Leinkuchen erhält der Ölmüller 4 bis 6 h, respektive ein altes Seidel( ¼7)kostet 36 h, ein Preis, der auch früher gezahlt wurde.
Die Ölstampfen und die Presse sind gewöhnlich im Schupfen des Ölmüllers unter-gebracht, deren Betrieb im strengen Winter eingestellt werden muß, da das Wassereinfriert.
Palmsonntagszweige in Westböhmen.
Von Georg Schmidt, Mies.
Die agrarischen, volksmedizinischen und anderen abergläubischen Gebräuche, diesich an die am Palmsonntage geweihten„ Palm"- und anderen Zweige knüpfen, sind weitverbreitet und allgemein bekannt.¹) Auch in Westböhmen ist diese Sitte noch nicht aus-gestorben.) Selbst die Stadtbuben verschmähen es nicht, Palmbuschen am Palmsonntageso zeitlich als möglich in den Häusern zum Verkaufe anzubieten. Und gerade die Palm-buschen in der Stadt Mies zeigen in ihren Bestandteilen eine Eigenart, die ich in schrift-lichen Zeugnissen oder nach mündlicher Umfrage sonst nirgends gefunden habe.
An einem vorzeitigen Frühlingstage des Jahres 1908 begegnete ich bei einemSpaziergange einem vom Alter gebeugten Weiblein aus Techlowitz( bei Mies), das miteigenartigen Zweigen in der Handtasche sich wieder heimwärts mühte. Ich brauchte nichtviel zu fragen; die redselige Frau kam vom Wetter, von ihrer Krankheit im langen, strengenWinter bald auf ihre Klokoč- Zweige zu sprechen, die sie ,, wie schon seit Jahren, auch heuerwieder aus Strziskas Garten in Mies geholt habe, damit ihre„ Enkala“ einen rechten Palm-buschen in die„ Stadt" tragen und verkaufen könnten; und Klokoč müsse dabei sein. Wieder Strauch sonst heiße, was das tschechische Wort bedeute, wisse sie nicht.
So kaufte ich denn am Palmsonntage mehrere Palmbuschen, verlangte ausdrücklichsolche mit Klokoč und„ Ölza“ und sah, daß die Buben daneben auch einfache, das heißtaus Sahlweide und Tannenreisig bestehende Buschen hatten; erstere standen auch imPreise höher.
Durch eine ausführliche Umfrage bei Schülern des Gymnasiums stellte ich fest, daßKlokoč nur in Mies und dessen allernächster Umgebung verwendet wird, aber schon inKladrau, Tschernoschin und Umgebung unbekannt ist; in Damnau( Bezirk Plan) wächstzwar Klokoč, bildet aber keinen Bestandteil der Palmbuschen.
Nach diesen Angaben der Schüler seien zunächst die örtlich verschiedenen Bestand-teile der Palmsonntagszweige zusammengestellt; die unter zwei bis zehn verzeichneten Orteliegen im Gerichtsbezirke Mies, südlich und westlich von der Stadt:
1. Mies: Sahlweide( Salix caprea L.), Klokoč, Ölza, Birke, auch Haselnuß, Tannenreisig.2. Radlowitz: Salix, Ölza, Tanne, Birke.
3. Kladrau Salix, Ölza, Birke, Haselnuß, Tanne.
4. Mühlhöfen: Wie in Kladrau, manchmal bloß„ Palmstengel", mit Weiden-
ruten gebunden.
5. Weshorsch: Salix, Ölza, Tanne.
6. Tinchau: Salix, Ölza, Stachelbeere, Johannisbeere.
7. Prostibor: Salix, Tanne, Ölza( wenn letztere nicht vorkommt, so Stachelbeere,auch Vogelbeere).
1) Einige Belege genügen: Zeitschr. f. öst. Volksk. II, S. 193( Semmering); III, S. 279( Braunau a, I.); IV, S. 148( Slowenen); VI, S. 235, VIII, S. 243( Rutenen); XI, S. 190( Böhmerwald); XIII, S. 131( Nordböhmen); O. Frh. v. Reinsberg- Düringsfeld, Festkalenderaus Böhmen, 1861, S. 110, 111; Dr. Josef V. Grohmann, Aberglaube und Gebräuche ausBöhmen und Mähren, 1864, S. 13, 61, 140.
2) Dr. Jul. E. Födisch, Volkstümliches aus dem nordwestlichen Böhmen( Mitt, desVereines f. Gesch. d. D. i. B., VI, S. 150); Ant. Aug. Naaff, Das Jahr im Volksliede undVolksbrauche in Deutschböhmen( Mitt. XXVII, S. 336-339); Josef Köferl, Der polit. BezirkTachau, 1890, S. 175; Heimatkunde des polit. Bezirkes Plan, 1896, S. 167; Unser Egerland,I, S. 4; III, S. 59; IV, S. 19, 30, 36; Alois John, Sitte, Brauch und Volksglaube im deutschenWestböhmen, 1905, S. 57-59.