Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mitteilungen.

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Land in Arbeit hatte, forderte mich auf, meine Ergebnisse weiter zu stützen, um mitvoller Sicherheit davon Gebrauch machen zu können. Es folgten weitere Reisen vonNeuhaus in Böhmen durch Südmähren, das nördliche Niederösterreich und bis Steinamangerin Ungarn, hier sowohl als brieflich von Fachmännern im Nordgau und bis Nürnbergmundartliche Wörter sammelnd. Ich studierte die Literatur und veröffentlichte 1902 eineAbhandlung, Beziehungen zwischen den niederösterreichischen, bayrischen und fränkischenMundarten und Bewohnern", ¹) wodurch die umfangreiche fränkische Besiedlung imLande abermals festgestellt wurde, die genau den Hausformen entspricht. Nach einemvon anderer Seite gemachten, doch nicht gelungenen Versuche, ebenfalls in einerDissertationsarbeit, an deren Stelle bayrische zu setzen, hat dann auch Dr. Frischauf denfränkischen Charakter des betreffenden Hausgebietes weiters bewiesen, 2) worauf dieGeschichtsschreibung dieses Ergebnis der Bauernhausforschung vollständig aufgenommenhat. Sektionsrat Dr. Lampel, Dr. Giannoni und andere haben mir dies auf das bestimm-teste bekräftigt, selbstverständlich nur daraufhin, daß dadurch die Herkunft der Bewohnerfestgestellt wird. Auf Grund Bünkerscher Forschungen in Mittelsteiermark ³) stellte ichim südöstlichen Teil von Niederösterreich ehemalige Rauchstuben fest, wodurch die früheBesiedlung dieses Landstriches von Steiermark aus bewiesen wurde. Für den westlichen Teildes Landes zwischen der Enns und Melk, wo altbayrische Hausformen herrschen, sprachich auch auf Grund der Geschichte die Vermutung aus, daß die deutsche Besiedlungschon vor Karl dem Großen erfolgte, was durch den seither verstorbenen Forscher HansBlank in St. Peter auf agrarischem Gebiet bekräftigt wurde.) Der nordwestliche Teilvon Tirol weist durch die Hausform auf alemannische Besiedlung, was vollkommen stimmt.Sogar die Volksmischung zeigt sich manchmal in Mischformen der Häuser. Aus diesenGründen sehe ich seit langem bei meinen jährlichen größeren Reisen besonders auf dieGrenzen der Stämme und finde in der Regel Übereinstimmung mit den Häusern. Einweiterer Vorteil der ethnographischen Hausforschung ist die enge Verbindung mit densonstigen Stammeseigentümlichkeiten, von denen der Hausbau nur ein Teil ist, welche invielen Beziehungen zusammenhängen.

Ich war deshalb der Ansicht, daß für diese meine Art, zu arbeiten, welche ich aufHenning und Meitzen hin gewählt habe, die Berechtigung voll bewiesen ist. Die Mög-lichkeit derselben habe ich im österreichischen Bauernhauswerk dargelegt, wo dieStammeseinteilung anstandslos durchgeführt ist. Der Verfasser aber ist darüber entgegen-gesetzter Meinung. Wiederholt wendet er sich, wenn auch ohne Beweise, dagegen undverwirft sie endlich( S. 108) grundsätzlich, bis die ethnographischen Fragen vollkommensicher gelöst sein werden, wovon jetzt noch keine Rede sein kann. Mitdiesem Satze hat er meine Einteilung offenbar aus dem Wege geräumt und kann ruhigsein Gebäude aufführen( S. 109). Wir werden sehen, daß der Verfasser bezüglich seinesSystems an die Grundlagen keinen so strengen Maßstab anlegt. Für mich jedoch und vielehochgeachtete Forscher ist die Berechtigung meiner Ansicht schon längst außer Frage, undich werde mich jedem unbegründeten Versuche, dieselbe zurückdrängen zu wollen, entgegen-stellen. Ich habe nie eine andere Einteilung verworfen, nur muß der Zweck derselben, dasie allein nur ein Mittel ist, klar ersichtlich sein. An seinem Lehrer Professor Meringer wirdder Verfasser diesfalls keine starke Stütze finden, da dieser in seiner Besprechung des Bauern-hauswerkes, wo doch gewiß kein Lob verschwendet wird, zwar ausweichend, doch nichtunbedingt verwerfend vorgeht. Überdies hat er mir gegenüber versichert, er würde den Mangelethnographischer Einflüsse auf das Bauernhaus sonderbar finden, und daß solche innerhalbder Sprach- und Volksgrenzen am stärksten sein müssen, was er doch mit dem WorteKulturwellen ausdrücken will. Entschieden verwirft er die Heranziehung von Dachformenzur Charakterisierung.

1) Zeitschr. f. öst. Volkskunde 1902.

2) Monatsbl. d. V. f. Landeskunde v. Niederöst. 1908, 98.

Mitt. d. Anthr. Ges. XXVII, 113.

4) Monatsbl. d. V. f. Landeskunde v. Niederöst. 1905, 289 ff.