Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Höfler.

Geld und Knoblauch in die Windeln, um sie vor Zaubereinfluß zusichern( Mannhardt, Mythen, 591). In Schweden näht man dem Täuflingeinen Pfennig oder ein Stück Brot ins Taufzeug, wodurch der kleineWeltbürger Reichtum erlangen soll( l. eod. 697). In der Pfalz wickelteman 1787 ebenfalls ein wenig Brot und Salz in das Wickelzeug desKindes( Kühnau, Mittlg., 38). Einige Bissen Brot mit und ohne Salzlegt man fast überall in Deutschland dem Kinde ins Hemd( 1503» inthemmet«<, Schiller- L., VI, 152), ins Westerhemd, in die Fatsche(= fascia), in die Wickel, in den Patenbrief( Wuttke,§ 594), in dieWiege als Patengeschenk, Gevatterstück, Helsen oder Helsete( Schweiz),Taufgut, Kindsreuter, Kinderlod( mnd., Schiller- L., II, 463). DieserTaufbrauch der sogenannten Helse( ahd. heilison augurari, Glück-

wunsch) oder Würgete*)( s. Neujahrsgebäcke, Z. f. ö. V. K., 1903, S. 192)übertrug sich dann auf jeden späteren Geburtstag des Kindes. InDänemark wird ein Stück Butter brot an des Kindes Wiege, währendes zur Taufe in der Kirche läutet, gelegt, oder die Mutter wickeltein solches in die Windeln mit ein, damit das Kind( angeblich) inder Kirche nicht hungere. Bemerkenswert dürfte hier sein, daß manin Holland sogenannte Kraamkloppertje( Miniaturausgaben von Tôrs-hammer) geziert und eingewickelt vor der Türe der Geburtsstättebefestigte( Janus, 1903, S. 464, 585 ff.), jedenfalls als Apotropäon, umvon der Krammfrau( Wöchnerin) symbolisch die Unholde fernzu-halten; auch das Brot ist überall ein solches antidämonisches Mittel,welches das Gedeihen des Neugebornen und auch die Mutter währendder Nachgeburtsperiode sichern soll.

Die Gepflogenheiten bei der Geburt des Weibes Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibes übertrugen sichauch auf das stets wertgeschätzte symbiotische Haustier, namentlichbeim Kalben der Milchkuh. In den Niederlanden sieht man zuweilen,daß eine geweihte Kerze angesteckt wird; nach dem Kalben läßtman drei Tropfen der brennenden Kerze**) in den Tranktrog derKuh fallen oder man legt etwas( apotropäisches) Salz auf die Zungedes Kalbes( V. K., XV, 230). In Oberbayern schneidet man von deroberen Rinde eines Brotlaibes( sog. Scherzel) ein Stück ab, siedetes in heißem Schmalz und gibt es der kalbenden Kuh zur Erleichte-rung der Geburt( Manuskript). In der Schweiz gibt man der Kälber-kuh und der Kitzelgeiß das sogenannte Agatha- Brot( s. Z. d. V. f. V. K.,1905, S. 319; Janus, 1902, S. 302; Schw. A. f. V. K., IX, 49). Nach Sepp,

*) Bemerkenswert ist, daß man im deutschböhmischen Haselberg die Kinder anihrem Namenstage(= Geburt, Namengebung) im Scherze am Halse würgt, drosselt;auch übersendet man ihnen den sogenannten, Drosselring" als Patengeschenk, eine Fort-setzung des Angebindes um den Hals des Neugebornen( John, Sitten, 120; Meyer,B. V. L., 107).

**) Das Wachslicht von den drei Frühmessen in der Karwoche wird in Rußlandaufbewahrt und bei einer Niederkunft des Weibes Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibes verwendet( Yermoloff, 94); vergl. auchLichtmeßgebäcke in Z. d. V. f. V. K., 1905, S. 312; das Lichterbrennen bei der Wöchnerins. u. a. auch Z. d. V. f. V. K., 1894, S. 140.