Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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66 Mitteilungen aus dem Verein und dem Museum für österreichische Volkskunde.

wurden ebenfalls eine Reihe wichtiger und neuartiger Erwerbungen gemacht, darunteracht vollständige Männer- und Weibertrachten Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibertrachten aus verschiedenen Tälern, im ganzen320 Stück. Stattlichen Zuwachs erfuhren des weiteren die Sammlungen aus Nieder-österreich( zirka 150 Nummern), Oberösterreich( zirka 120 Nummern, darunter die voll-ständige Nachbildung einer oberösterreichischen Wallfahrtskapelle[, Schacher"] aus derUmgebung von Braunau, die wir unserem verehrten Mitarbeiter und KorrespondentenHerrn Hugo v. Preen in Osternberg verdanken, Salzburg( zirka 80 Nummern), Steier-mark( zirka 180 Nummern), Böhmen und Mähren( zirka 100 Nummern, abgesehen vonder 1226 Nummern umfassenden Stickereisammlung), während zirka 200 Nummernzusammen auf Istrien, Dalmatien, Galizien und die Bukowina entfielen. Es ist Vorsorgegetroffen, daßvorausgesetzt, wir verfügen über die dazu erforderlichen Mittel- inden nächsten Jahren vor allem die südöstlichen und nordöstlichen Volksgebiete desReiches, die in unseren Sammlungen noch nicht vollständig dargestellt erscheinen, inplanmäßiger Art durchforscht werden, wozu wir uns die Mitarbeiterschaft bedeutenderVertreter der heimischen Forschung an Ort und Stelle gesichert haben.

Im abgelaufenen Jahre hatte ich mich der regen Mithilfe seitens der Herren AlfredWalcher Ritter v. Molthein, Lehrer Heinrich Moses in Neunkirchen, Hugo vonPreen in Osternberg, Wilhelm Tschinkel in Morobitz, Frau Baronin v. Rubido-Zichy in Abbazia, Oberlehrer Karl Reiterer in Trieben, Fachlehrer Leo Rzeszowskiin Podgorce und anderer zu erfreuen, wofür ich diesen treuen und bewährten Mitarbeiternden verbindlichsten Dank ausspreche. Mein Solin Volontär stud. phil. Artur Haberlandtund Volontär Josef Fischer haben mich auch bei der Sammeltätigkeit, ersterer aufallen Sammelgebieten, letzterer in Galizien und Nordböhmen, auf das eifrigste unterstützt,wofür ich ihnen herzlichsten Dank sage.

Für Sammlungszwecke wurde der Betrag von K 11,426-75 verausgabt. Die Zahl derdurch Ankauf erworbenen Gegenstände belief sich auf 2713. Als Geschenke erhieltenwir 61 Objekte, durch Tausch 39. Die Gesamtzahl der ethnographischen Sammlungbeträgt nunmehr an eigenem Besitz 21.852 Stück, an fremden Stücken 3066, mithin ins-gesamt 24.918 Stück. Die Photographiensammlung erfuhr eine Vermehrung um 111 Stück,die Sammlung der Abbildungen um 76 Stück, beläuft sich daher insgesamt auf 1593,beziehungsweise 756 Stück. Die Vermehrung der Bibliothek betrug 68 Nummern, außer

den Fachzeitschriften.

In mannigfacher Weise war im Berichtsjahre unserem Museum Gelegenheitgeboten, über seinen gewöhnlichen Wirkungskreis hinaus für die Öffentlichkeit sich nutz-bringend, ja unentbehrlich zu erweisen. Der große österreichische Völkerfestzug vom12. Juni 1908 zu Ehren des geliebten Monarchen hat die Direktion in mannigfachster Artbeschäftigt er hätte einen besseren Ausklang und nachhaltigere Wirkung verdient, alsunter den bekannten Mißlichkeiten dem ganzen großartigen Unternehmen überhauptbeschieden war. Unter dem frischen Eindruck des unvergeßlichen Schauspieles hat sichdie Direktion unter der Ägide Seiner Exzellenz des Herrn Grafen Hans Wilczek in Ver-bindung mit Herrn Alfred Walcher v. Molthein und Dr. Rudolf v. Förster-Streffleur mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit zum Schutz der angestammtenTrachten und Sitten gewendet, der nicht wirkungslos geblieben ist. Auch bei der Vor-bereitung des Festspieles, Aus der Heimat" zur Festfeier des Allerhöchsten Regierungs-jubiläums war es unserem Museum vergönnt, mit seinen Sammlungsschätzen in ent-sprechender Weise mitzuwirken.

Seitens der Künstler und Gewerbetreibenden sowie seitens der Forscher undStudierenden werden unsere Sammlungen stets auf das eifrigste benützt und fruchtbargemacht; wir dürfen es mit Stolz sagen, daß unser Museum in dieser Beziehung zu denam häufigsten aufgesuchten Anstalten Wiens zu zählen ist, wie die Mitteilungen darüberin unserer Zeitschrift( Bd. XIV., S. 152, 231 f.) dartun. Nichts kann uns erwünschtersein, als dieser rege Verkehr in unseren bescheidenen Arbeitsräumen, in welchen trotzder stärksten Ungunst der äußeren Verhältnisse so viel wissenschaftliche wie künstlerischeArbeit im stillen geleistet wird.