Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

Kirchturm für diese Zwecke nicht verwendbar, so baute man wohl auf Anhöhen, im freienFeld oder in der Nähe des Dorfes Warttürme, von denen Wächter durch Ton- und Feuer-signale das Herannahen von Feinden den Bewohnern verkündeten.

Eine ganz sonderbare Einrichtung sind die sogenannten Hauslöcher und Erdställe.Diese stellen ein System verwickelter Gänge vor, die eine oft beträchtliche Längserstreckungbesitzen und in verschiedener Höhenlage und Richtung verlaufen. Ihr Eingang liegt ent-weder im Keller eines Bauernhauses oder außerhalb des Dorfes an einer verdeckten Stelle.Die Gänge sind zwar nicht sehr geräumig, aber sorgsam ausgeführt. Steiglöcher, Leucht-nischen und Ausweichstellen sind praktisch verteilt; Absperrvorrichtungen schützen gegenfeindliches Eindringen, Bohrlöcher sorgen für die Zufuhr frischer Luft.

Daß wir solche Anlagen in den leicht zu bearbeitenden Löß- und Lehmlagen antreffen,ist nicht verwunderlich; wir finden sie aber auch im festen Gestein. Die Ausarbeitungdieser Luftkanäle mit einem zylindrisch- röhrenförmigen Bohrer erinnert an die Bearbeitungvorgeschichtlicher Steinbeile. Aus dieser Ähnlichkeit allein auf einen vorgeschichtlichenUrsprung der Erdställe zu schließen, wie dies Dachler tut, scheint allerdings gewagt. DasVerbreitungsgebiet erstreckt sich über Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Mähren,Bayern und Ungarn; auch hier vorwiegend im Lößgebiet. Es ist nicht ausgeschlossen, daßsolche Erdställe auch anderwärts vorkommen, da sie in größerer Dichte gefunden wurden,wo man eben gerade Nachforschungen gehalten hat.

Obwohl die Jahreszahlen nur bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen, läßt sichdie Benützung von Erdgruben" urkundlich bis in das 13. Jahrhundert verfolgen. In ihnenaltheidnische Glossar ::: zum Glossareintrag altheidnische Kultstätten zu sehen, geht nicht an; vielmehr macht es die ganze Anlagewahrscheinlich, daß wir es ausschließlich mit Zufluchtsstätten in Zeiten der Not zu tun haben.

Der Verfasser kommt zu dem Schlusse, daß die erste Anlage von den Kelten her-rühre, die freilich nur wenige solche Gänge für ihre Häuptlinge Glossar ::: zum Glossareintrag  Häuptlinge angelegt haben dürften;die meisten stammen erst aus der Zeit der deutschen Besiedlung und sollen diesen älterennachgealmt sein. Die unruhigen Zeiten vom 9. bis zum 14. Jahrhundert in Niederösterreichhaben die Benützung dieser Zufluchtsstätten notwendig gemacht. Aber auch in den späterenZeiten müssen sie wiederholt aufgesucht worden sein.

Die sogenannten Hauslöcher, stellenweise auch Erdställe genannt, sind eine Art vonKellerräumen, die in der Nähe von Häusern liegen, gewöhnlich nur aus einem Raumebestehen und für einen längeren Aufenthalt behaglich eingerichtet werden können.Dr. Otto Jauker.

8. Kari Müller- Fraureuth: Wörterbuch der obersächsischen underzgebirgischen Mundarten. Lieferung I.( a bis placken.) Dresden 1908.Verlag und Druck von Wilhelm Baensch.

Dieses Wörterbuch soll in fünf bis sechs Lieferungen zu acht Bogen Lexikonformaterscheinen. Ohne großen sprachwissenschaftlichen Nebenapparat, in einfacher Schreibweise,wird hier der Wortschatz der obersächsischen oder erzgebirgischen Mundarten bearbeitet.Der Verfasser sucht für jedes Wort den sachlichen Hintergrund auf und belegt dieAnwendung mit Redensarten, Sprichwörtern sowie mit Stellen aus der mundartlichenLiteratur. So wird das Werk außer seiner sprachwissenschaftlichen Bedeutung in weiterenKreisen die Liebe zur heimatlichen Mundart wecken und diese verstehen lernen. Durchdas Eingehen auf den Begriffsinhalt der Wörter und die reichen Belegstellen ist das Buchaber auch volkskundlich wertvoll. Es ist nur zu beklagen, daß bei den Aufsammlungendes Stoffes die weiten und dichtbevölkerten Landstriche Böhmens, in denen die sächsisch-erzgebirgische Mundart gesprochen wird, keine Berücksichtigung fanden; auch die Dialekt-poesie dieser Teile Deutschböhmens wurde nicht zitiert. Dann möchte ich auf KnothesWörterbuch der Markersdorfer Mundart( Böhmisch- Leipa 1895) hinweisen, das für dieobersächsische Mundart genug Verwandtes und Vergleichbares birgt.

Für Deutschböhmen plant wohl der Verein für Geschichte der Deutschen einegrößere Arbeit auf dem Gebiete der Mundartenforschung; der Durchführung dieses Planes