Literatur der österreichischen Volkskunde.
53
überwunden. Schon nach einigen Monaten machte der Verein die Wahrnehmung, daßnoch viel Interessantes in der Stadt verborgen war, was als Grundstock für das Museumvon hohem Werte ist, besonders auch deshalb, weil alle bisher gespendeten GegenständeBraunauer Vergangenheit schildern. So fehlt zum Beispiel gar nicht mehr viel zurSchaffung einer altbürgerlichen Wohnstube. Auch mit dem Archiv geht es vorwärts.Neben sehr alten Zunfturkunden hat sich Bildliches und Schriftliches aus BraunausVergangenheit eingefunden.
Hier folgt die Aufzeichnung einiger Gegenstände: Eine große Anzahl gut erhaltenerFamilienbilder aus dem 18. und 19. Jahrhunderte. Ungefähr 30 Votivbilder aus der nahenKapelle Herrgott im Tal" und Devotionalien. Eine Pesttüre aus dem Lebzelterhaus, zirka1560, sehr interessantes Stück. Eine Münzensammlung, zirka 300 Stück. Eine 4 m langeHolzschlange aus dem 18. Jahrhunderte, wie sie früher in den Kaufläden zu finden war.Ein Spinett. Ein sehr fein gearbeitetes Ofenmodell, sehr interessantes Stück, zirka 1600.Einen spätgotischen Christus und eine Maria, hervorragende Holzschnitzerei. Zunftzeichen:Wagner und Schmiede, Brauer, Schiffer und Huterer. Letzteres aus dem 18. Jahrhunderte,sehr interessant. Das wären so die Hauptsachen der Sammlung. Außer einer fast voll-ständigen Raufwerkzeugsammlung und manchen Kostümstücken hat sich auch viel Klein-kram angesammelt, von dem es zu weit führen würde, jedes Stück einzeln zu nennen.
Eine weitere Aufgabe des Vereines wird auch sein, einen Führer durch Braunauzu verfassen, in dem weniger von den Gasthäusern und öffentlichen Gebäuden der neuenZeit die Rede sein soll, sondern man wird die guten Denkmäler alter Zeit ins richtigeLicht stellen, deren Braunau trotz der Zerstörungswut vergangener Jahrzehnte noch einehübsche Anzahl aufzuweisen hat. Zu gleicher Zeit wird der Verein alle zu erhaltendenDenkmäler und malerischen Ansichten vor Zerstörung zu schützen suchen.
IV. Literatur der österreichischen Volkskunde.
1. Besprechungen:
1. Rudolf Reichardt: Die deutschen Feste in Sitte und Brauch.Hermann Costenoble, Jena 1908. IV, 200 S.
Bücher wie das vorliegende sind in der letzten Zeit mehrfach herausgegebenworden, es seien nur F. J. Bronners:„ Von deutscher Sitt' und Art" und HermannS. Rehm Deutsche Volksfeste und Volkssitten" genannt. Dennoch kann man dasvorliegende Werkchen durchaus nicht für überflüssig erklären. Erstlich schildert es uns,was sich in der Gegenwart wirklich an deutschen Festsitten erhalten hat, und zweitensbat es besonders das Volkslied, zumal das volkstümliche Kinderlied, zur Unterlage undQuelle der Darstellung gemacht, ein glücklicher Gedanke, der auch der Anmut derSchilderung zugute gekommen ist. Die einschlägige große Literatur ist mit Fleiß undVerständnis benutzt. Ein Mangel des Werkes ist, daß es der Verfasser unterlassen hat,den ungeheuer großen Stoff nach den deutschen Hauptstammgebieten gegliedert vorzu-führen die Gebiete des niederdeutschen, mittel- und oberdeutschen Volkstums sind inbezug auf ihr festliches Jahr durch Wirtschaft und Konfession doch stark differenziert;die protestantischen Gebiete weichen von den katholischen im Südosten( Bayern, Deutsch-Österreich) in dieser wie in vielen anderen Beziehungen erheblich ab. Es ist Zeit, daßdie in der Stammesgeschichte wurzelnden Unterschiede im deutschen Volkstum beisolchen Gesamtdarstellungen Berücksichtigung finden.( Siehe diese Zeitschrift Bd. XIV,S. 149). Indessen ist das Buch hauptsächlich für einen größeren Leserkeis und mehr zueiner ethisch- nationalpolitischen Wirksamkeit bestimmt, in Übereinstimmung mit denlobenswerten Bestrebungen für Erhaltung und Veredlung der alten Volksbräuche, wie siejetzt überall sich regen. In diesem Sinne wird das Büchlein sicher Gutes wirken undeine triebkräftige Saat in die Seelen seiner Leser pflanzen, Dr. M. Haberlandt.