Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

Bevölkerungsgruppen des Küstenlandes.

21

an; er begleitet ihn bis zum Grabe, und in der Erde vergräbt er mitihm die kleinen Wachskerzchen, welche in der Kirche während derEinsegnung angezündet waren.

» Das Weihwasser des Kar- oder Pfingstsamstag und desEpiphaniefestes darf in seinem Hause nicht fehlen. Am letztgenanntenFeste läßt er von seinem Seelsorger Haus und Hof, auch Weihrauchund Kreide segnen. Mit dem Weihrauch beräuchert er dann seineWohnung, mit der Kreide schreibt er die Jahreszahl, das Kreuzes-zeichen und die Anfangsbuchstaben der Namen der heil. drei Könige( C+ M+ B) auf die Haustüre. Und das nicht ohne Sinn und Bedeutung.Durch das Beräuchern drückt er die Bitte aus, Gott wolle seineWohnung so mit Gnade und Segen erfüllen, wie sie durch den Weih-rauch und Wohlgeruch erfüllt wird. Die Jahreszahl wird angeschrieben,damit das kommende Jahr ein in jeder Beziehung glückliches sei.Die Kreuze und die Buchstaben drücken die Bitte aus, Gott wolledie Hausinsassen durch die Verdienste Jesu Christi und durch dieFürbitte der heil. drei Könige vor allen Unfällen bewahren.

» Er nimmt mit Andacht an der Bittprozession teil; es handeltsich ja um das Gedeihen seiner Feldfrüchte und Reben und um einereichliche Ernte. Er läßt zu Allerheiligen die Gräber seiner Liebenvom Seelsorger einsegnen und unternimmt dann und wann auch eineWallfahrt auf den heiligen Berg» na sveto goro« bei Görz oder nachBarbana in die Lagunen. Er kennt genau die einzelnen vorgeschriebenenFasttage, insbesondere» sveto rešnje telo«, das Fronleichnamsfest, und» velika gospa«, die große Frau und Mutter, das HimmelfahrtfestMariens. Dazu helfen ihm ja die» mala pratika«, der Bauernkalender,und in neuer Zeit der» Koledar družbe svetega Mohorja«, der Herma-goras- Kalender. Er empfiehlt sein Haus dem Herrn, wenn beim Anbruchder Nacht die Glocke zu Ehren des heiligen Florianus, des Schutz-patrons gegen Feuerbrunst, geläutet wird. Er geht jedes Jahr zurChristenlehre, wenn die Osterzeit herannaht und den von seinemSeelsorger erhaltenen Beichtzettel gibt er ihm mit einem Geschenkzurück. Sein Seelsorger( Župnik) den er auch» Gospod« oder» Farman«nennt, ist ihm sein Ratgeber in allen Lebenslagen.

» Unser Mandriere ist übrigens ein genügsamer Mensch. Er be-klagt sich nicht, wenn auch sein Bett ein einfacher Strohsack istdenn Federn kennt er nicht. Auch in seinen Speisen ist er ebennicht wählerisch. Während der Woche ist er mit» Jota«, einer Fisolen-suppe, mit Sauerkraut, mit etwas Kartoffeln oder mit Polenta zu-frieden; denn sein Kalender zeigt ihm als Normatage, an welchener sich etwas Besseres anschaffen kann: eine Taufe, Trauung, Weih-nacht, Ostern, Fronleichnam, Kirchweih und Martini. Er ist nichtsehr gesprächig und nur selten flucht er. Tut er dies manchmal,dann möchte man glauben, ein Gewitter oder der Hagel seien imAnzug begriffen. Allein das geschieht nur in der Aufwallung des