Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Baden und Badestuben.

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liegt. Bei uns hatte man in der Regel nur eine Verbindung vonWannenbad mit mäßiger Dampfentwicklung in beschränktem Raume.Es wurde die Wanne mit einem Leinendache auf leichter Stützeoder über ein korbartiges Geflechte gedeckt, wobei entweder derKopf außen blieb oder seitwärts eine Fensteröffnung angebracht war. ¹)Andere saßen in dichtem Bademantel über dampfendem Wasser.Weiters gab es Badeschränke, in denen der Badende mit Ausnahmedes Kopfes eingeschlossen war, in welche Dampf eingeleitet wurde,der in retortenähnlichem oder mit Trichter überdachtem Gefäßeerzeugt wurde. Man ließ den Dampf daraus zu Heilzwecken auchnur auf eine Stelle des Körpers wirken und mengte das Wassermit Heilkräutern³). Es erinnert dies an Herodot, der von den Skythenerzählt, daß sie beim Dampfbade auch Leinkörner auf glühendeSteine warfen. Auch die Dampfbäder durch Begießen glühender Steinemit Wasser waren in Übung, doch nur bei größeren Anlagen. Es istklar, daß beim Einwerfen heißer oder glühender Steine in die Bade-wanne besonders hohe Wärmegrade nicht erzielt werden konnten.

In früherer Zeit hatte man viele 3 Hausbadestuben neben

zahlreichen öffentlichen. Man sah jene so wichtig an, daß sieals unpfändbar erklärt waren.³) Die einfachste Einrichtung war dieWanne, zuerst kreisrund, später immer länglich, aus Holzdauben.Man badete auch im Hausflur, unter dem Vordache.) Die öffentlichenBäder sowohl als auch die Privatbäder der Reichen wurden, wie er-wähnt, auch zur Unterhaltung aufgesucht und man blieb dort bei Essenund Trinken tagelang,) benützte sie im Hause in der kühlen Jahreszeitzum Wohnen und lud dahin auch Gäste zum Baden und zur Be-wirtung ein. Es ist dabei zu erinnern, daß die Wohnstube infrüher Zeit nachweislich aus der stets gut beheizbaren Badestubeentstanden ist, indem man an den einstigen Herdraum, Haus oderEren genannt, das neue Wohngemach mit dem Badestuben-, hiermeist Backofen, anbaute.

Noch vor Ende des Mittelalters beginnt aus mehreren Ursacheneine Verminderung der Badestuben, welche schließlich zu derenvollständigem Verschwinden in Mittel- und Nordeuropa führte. Einestete Klage der öffentlichen Badestubeninhaber war die Schmälerungdes Einkommens durch die Privatbadestuben, was von seite derObereigentümer, Städte und Herrschaften zu Einschränkungen derletzteren führte.) Die schon im 15. Jahrhundert stellenweise auf-tretende Holzverteuerung in belebten Gegenden infolge großenHolzverbrauches war der Anlaß zur Unterdrückung vieler Privat-badestuben, besonders auf dem Lande, wo man zur Anlage vonGemeindebadestuben drängte.") Ein weiterer Grund lag in derenFeuergefährlichkeit. Am einschneidendsten wirkte aber die begründete

1) A. Martin, Abb. 43, 47, 54i., S. 123 ft.- 2) 123.-³) Martin, 121.5) S. 131, 180 f.7) 113 f., 133, 196 f, 204 ff., 213.

6) 64.

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4) Abb. 53.