Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Baden und Badestuben.

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durch einen Ofen beheiztes Gemach, nannte so überhaupt das ganzeGebäude mit der Stube. Die erste Erwähnung des Wortes stuba,wahrscheinlich ein Badhaus, geschah im alemannischen Volksgesetze,bald darauf im bayrischen als balnearius. In den romanischenSprachen bedeutet das entsprechende Wort Bade- oder Schwitz-stube, auch Schwitzkasten, und hängt fast allgemein mit dörren undbähen zusammen. Bei den Germanen, Slawen und Finnen ist darausdie Wohnstube geworden, welche die Magyaren, Südslawen undromanischen Schweizer übernommen haben. Nur in Niedersachsennennt man das heizbare Wohngemach Döns, während Stube Bade-stube bedeutet. Das slawische Wort itba für Badestube wird zuerst973 in einem Bericht Ibrahim- ibn- Jakubs erwähnt, während die Sache/schon anderthalbtausend Jahre früher bei Herodot erscheint. Ob dieweiteren slawischen Worte istaba, litauisch schon stuba, undandere mit unserer Stube zusammenhängen, läßt sich doch nichtgeradezu ableugnen, wird jedoch von der Sprachforschung lebhaftbestritten. Dabei ist noch zu bedenken, daß unser stuba nur schrift-lich übertragen ist und auch istaba gelautet haben kann.

Die oben erwähnten Gebäude findet man in den österreichischenAlpenländern, in Altbayern, in der Schweiz, in Baden, im Elsaß, inder Rheinpfalz, in Skandinavien und im russischen Reiche bei Groß-russen, Finnen, Letten, Esten und Litauern. Allgemein wird in alterWeise nur noch in Rußland und in Schweden von den Finnen ge-badet. In einzelnen Landschaften Schwedens waren Badestuben alssolche vor nicht ganz hundert Jahren in Gebrauch, und obwohlsie jetzt nur noch anderen Zwecken dienen, ist jenes noch bewußt.In allen übrigen der oben angeführten Länder ist betreffs des einstigenGebrauches der Badestuben keine Erinnerung vorhanden und siewerden wie jene in Schweden nur zum Dörren und Brecheln desFlachses( Haar), zum Waschen, Backen, Obstdörren und bei zeit-weiligem oder beständigem Leerstehen, wenn überhaupt tunlich, zumWohnen verwendet.

Die im Literaturverzeichnisse¹) angeführten Quellen, darunter dasjüngst erschienene gründliche Werk von Alfred Martin, beweisen,daß, abgesehen von dem homerischen Warmwasserbad, denuralten skythischen und griechischen Dampf- und den

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1) Grimm Jak.: Deutsche Dorfweistümer. Göttingen 1839-42.- Heyne Moritz:Das deutsche Wohnungswesen. Leipzig 1899. Das deutsche Nahrungswesen. 1901.-Krieg k, Dr. G. L.: Deutsches Bürgertum im Mittelalter. Frankfurt 1868. MartinAlfred: Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen. Jena 1906. Martin Ernst:Badenfahrt von Thomas Murner. In Beiträgen zur Land- und Volkskunde von Elsaß undLothringen I. Straßburg 1889.- Rhamm Karl: Ethnographische Beiträge zur germanisch-slawischen Altertumskunde. II. Abteilung, 1. Teil. Braunschweig 1908.- Stephani,Dr. K. G. Der älteste deutsche Wohnbau. Leipzig 1902 und 1903. Weistümer,österreichische.

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Zappert Georg: Badewesen in mittelalterlicher und späterer Zeit.In Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Bd. 21. Wien 1859.