Blumenstalen aus dem Kaunertal.
und bei Prozessionen in die Hand gebunden u. s. w. Mit der Blumen-liebhaberei an den Fenstern entstand auch das Bestreben, die Stalenentsprechend schön zu gestalten. Da die Pflege der Blumen Sacheder Mädchen ist, spielt hier wohl auch das ewige Lied der Liebemit; wenigstens weiß ich einen bestimmten Fall, wo das Mädchen( als causa motiva) den Anlaß gab und der Bursche( als causa formalis)den schlummernden, Kunstsinn' zu entfachen suchte, um demMädchen mit einer schönen Stale eine Freude zu machen. Bemerktmuß werden, daß Geschick zur Tischlerei und Schnitzerei eineSpezialität der Kauner und Kaunertaler ist.
» Aus dieser Gegend stammen ja auch namhafte Künstler: Zauner( Reiterstandbild Josefs II. in Wien), der berühmte Architekt Gfall,Horer u. s. W.
» Die verschiedenen nach Art der Laubsägerei hergestellten Formenan den Balkonen, Giebeln etc. von Praxmarers Gasthaus hat auchein einfacher Tischler aus Kauns ohne jede Vorlage gemacht, soversichert der Wirt. Der Tischler heißt Hann, und Praxmarer sagt,er habe halbe Tage lang probiert, das heißt verschiedene Formen, ausgekopft'. Hann ist allerdings in der Welt etwas herumgekommen undhat manches gesehen. Übrigens ist er ein gewöhnlicher Bauernkünstler.Was den Bildschnitzer Huter betrifft, der die Kapelle in Gepatschausschmückte( Altar, Schnitzereien), so hat dieser bei einem einfachenLandkünstler in Tarrenz Lernjahre durchgemacht.<<
Nun lasse ich die Bemerkungen folgen, die der Herr Pfarrer zuden einzelnen Stalen auf Tafel I macht.
» Nr. 1 hat mein Nachbar Johann Mark, Bergführer, vor zirkazwölf Jahren gemacht. Von ihm stammen auch die Rundbogen-stalen( siehe Tafel II). Wie Sie richtig vermuteten, ist jene Stale amHause des Lentsch( Nr. 7 auf Tafel II) von demselben, jedoch wurdediese nicht früher, sondern später gemacht. Hier kann man also eineabsteigende Formenbewegung beobachten. Das erste, schönste Blumen-brett wurde noch in der Jugend, den Schwestern zuliebe, mit Sorgfaltgemacht; das zweite jedoch auf Bestellung, und die etwas nüchternenRundbogenstalen, die jetzt, scheint's, Mode werden, sind schon vomHastigen, Schablonenhaften der auch hier eindringenden modernenZeit bestimmt.
» Übrigens ist diese letzte Rundbogensorte doch interessant, umzu beobachten, wie die Bauern zu den Formen kommen. Die Formhat sich Johann Mark, offenbar in Stunden, besonderer Andacht' amKommuniongitter hiesiger Kirche abgeguckt.
» Als weiterer Beweis folgendes: Ich brauchte eine Schnitzerei füreine kreisrunde Füllung. Nun kommt eines Tages mein, Leib- undHof- Schnitzer Johann Praxmarer mit einer recht netten Zeichnung,die er in Papier ausgeschnitten hat. Nach einigem Nachforschen kam
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