Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

stuhl, ein sogenannter Brautspinner, an dem das Charakteristischeste ist, daß er insehr kleinen Dimensionen gehalten ist, so daß er auch in der kleinsten Bauernstubeaufgestellt werden kann.

Im Schlafzimmer des Grafen befindet sich ein Spanleuchter ein Holzstück, das aufeinem Fußgestell nach oben und unten verschiebbar ist und an seinem oberen Ende eineMetallklammer trägt, in die der brennende Span hineingesteckt wird; im selben Zimmerüber der Türe ein heiliger Leonhard und in den Fenstern Butzenscheiben. Im Schreib-zimmer daneben sind an der Wand zwei Weisbriacher Wappen: das Feld durch einenVertikalstrich in der Mitte geteilt, die linke Seite ganz dunkel, auf der rechten auf dunklemGrunde drel weiße Dreiecke. Die Decke dieses Zimmers ist in der Mitte von einer Säulegetragen, die aus aufeinandergelegten Mühlsteinen besteht. Zu erwähnen wären noch

ein altes, eisernes Saumzeug und eine große Wage im Speicher des Schlosses.Zum Schlusse sei nun die Einrichtung der beiden obenerwähnten Prinzenzimmerbeschrieben.

Sämtliche Möbel, der Ofen, die Türen, Täfelung und Decke stammen aus einem.Bauerngehöfte Auf der Haiden" bei Tamsweg. Auf dem Durchzuge der Decke im erstenZimmer befindet sich die Aufschrift: Marie Gelen 1442. Der Stil, in dem das Ganzegehalten ist, läßt sich schwer nach der herkömmlichen Weise klassifizieren. Er ließe sichvielleicht am ehesten mit Barock bezeichnen, zeigt aber an vielen Stellen einen starkenEinschlag des Gotischen, ohne aber dadurch den Charakter des Einheitlichen zu verlieren.Man erkennt ohne weiters, daß sämtliche Gegenstände in diesen beiden Zimmern zueinandergehören vielleicht schon wegen der einheitlichen Farbe: alles lichtbraun gebeizt. DieDecke ist im ersten Zimmer mit reicherer Ornamentik versehen, die Täfelung ist in beidenZimmern ziemlich gleich, das Charakteristische in beiden sind die hängenden stilisiertenLilien. Am Sims der Täfelung im ersten Zimmer befinden sich an jeder Wand zweiEngelsköpfe und zwei Rosetten, Die drei Türen sind nahezu einander gleich, am oberenEnde befindet sich je ein Affen- oder Hundekopf. Das Bett im ersten Zimmer ist ungemeinreich geschnitzt, am Fußende befinden sich drei Engelsköpfe und mehrere Rosetten, amKopfende zwei Engelsköpfe und dazwischen ein Bild, die Krönung Mariens darstellend.Neben dem Bette ist ein kleiner Schrank in die Täfelung eingelassen. Das Mittelfach istvon je vier Laden eingesäumt, zwischen ihnen finden wir wieder die stilisierten Lilien,über der kleinen Türe des Faches ist ein hölzerner Hundskopf und oben am Randezwei sehr hübsch geschnitzte Reiterfiguren. Daneben steht eine Truhe und auf dieser einAufsatz mit besonders schöner Ornamentik, der oben drei sehr zierliche Holzfiguren trägt.Aufschrift: H. J. S.

In einem Ausschnitte der Wand, die beide Zimmer trennt, steht der Ofen, so daßer beide Zimmer gleichzeitig erwärmen. kann. Die Kacheln sind grün und stellen einHäuschen mit einigen Bäumen und einem Hirschen dar.

Das Bett im zweiten Zimmer ist ebenfalls ungewöhnlich reich verziert. An derWand steht ein Schrank, der etwas einfacher ist als die übrigen Einrichtungsgegenstände,dessen Ornamentik aber fast ausgesprochen Barock ist. Die traulichste Ecke des ganzenZimmers bildet der Eßtisch mit dem roten Tischtuch, an der Wand die Bank, darübereine Reihe von roten Sacktücheln aufgespannt, die dasselbe Muster haben wie das Tisch-tuch. Und in der Ecke darüber das Kruzifix.

Schließlich sei es mir noch gestattet, Seiner Exzellenz dem Herrn Grafen H. Wilczekmeinen ergebensten Dank auszusprechen für die Bereitwilligkeit, mit der er die Besichti-gung sämtlicher Räumlichkeiten gestattete, und ebenso den Herren Hans Müller und.Hermann Mitteregger für ihre freundliche Unterstützung.Hans Thirring.

Volkskundliches im k. k. Technologischen Gewerbemuseum in Wien.

Von Artur Haberlandt, stud. phil. in Wien.

Unter den Beständen des k. k. Technologischen Gewerbemuseums in Wien, die ingedrängter Kürze einen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten modernen tech-nischen Betriebe und ihrer Erzeugnisse bieten, haben, Vorformen der fabriksmäßigen