Egerländer Tänze.
103
am Faschingsdienstag tüchtig getanzt werden, damit das Kraut undGetreide gedeihe. Je höher man beim Tanze springt, um so größererSegen war zu erwarten. Der Tanz brachte also Segen, Glück, Gedeihen,er war den Göttern wohlgefällig. Heute ist der uralte Zusammenhangdieser heidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisch- kirchlichen Festzeiten gänzlich verschwunden, nurder Tanz ist noch geblieben. Aber diese Tänze bieten, wie die folgendeÜbersicht zeigen wird, wieder neue Züge, die wir bisher nicht kanntenund die uns die Bedeutung des Tanzes von einer neuen Seite zeigen.Der Tanz in der Rockenstube. Das Wesen der Rocken-stube darf als bekannt vorausgesetzt werden. Sie begann zu Kathrein( 25. November) oder zu Advent und endete vor oder nach dem Fasching,zuweilen auch erst zu Ostern. Getanzt wurde zumeist nnr bei derSchlußfeier, gewöhnlich zur Faschingszeit. An diesem Abend ging essehr festlich zu, ein kleines Festmahl war bereit, man bewirtete sichund den Schluß bildete ein fröhlicher Tanz. Dieser Tanz hieß imEgerlande und Westböhmen» Schoidlrocken«,» Rockenschoidl«,» Rocka-schoadl« und dürfte also wohl der vom Egerer Rat so arg bekämpfte» Scheydel- oder Feyerrocken« sein. Besonders beliebte Tänze warenhierbei der Um- an- dum«( Um- und- um, rasches Walzertempo). EinzelneTänze hießen auch» Werg- tänze«. Nähere Angaben fehlen.( Um weitereBeiträge wird ersucht.)( Weiteres über die Rockenstube bei John:» Sitte und Brauch in Westböhmen«<, S. 9 u. 10.)
Der Fasching stanz. Die Tänze dieser Zeit tragen den bereitserwähnten Charakter. Der Tanz ist Pflicht. Am Faschingmontag tanzendie Verheirateten. Jeder soll tanzen, damit der Flachs schön wird.So hoch einer springt, so hoch wächst er. Auch die Schuljugend tanztam Nachmittag( Schulkinderfasching). Der Faschingdienstag gehörtder erwachsenen Jugend des Dorfes. Die Mädchen suchen sich denlängsten, hochgewachsensten Burschen aus. Wer einen solchen Tänzerhatte, dem geriet der Flachs hoch und schön. Veranstalter des Tanzeswar die Burschenschaft des Dorfes. Sie stellt einen geschlossenenVerband dar mit festen Satzungen und ist also in ihrem innerstenKerne die Trägerin und Bewahrerin der Kultfeste, wie J. Usener diesauch für die griechische und römische Zeit in überzeugender Weise:nachgewiesen hat.(» Hessische Blätter. für Volkskunde« 1902;» UnserEgerland« VI, 52.) Im Egerlande ist diese Organisation noch an derWahl der sogenannten» Platz«-Knechte und-Mägde zu erkennen( Platz: Plooz Tanzplatz). Fest gegliedert erscheint sie in Lichten-stadt.( Vergl. J. Görgl in» Unser Egerland« X, 169.) Besondere Merk-male der Faschingstänze: Der Maskenzug durchs Dorf, Einsammelnvon Gaben, das Abholen der Mädchen mit Musik, festlicher Zug aufden Tanzboden, das Schmücken der Tänzer durch lange Seidenbänder.Auch die Musikinstrumente werden mit bunten Bändern geschmückt.Besondere Arten von Tänzen und Tanzbräuchen: a) Die schöne Stunde( auch goldene, süße Stunde) oder» die Preß«. Das Verbreitungsgebiet