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Mitteilungen aus dem Verein und dem Museum für österreichische Volkskunde.
Tätigkeitsbericht des Museums für österreichischeVolkskunde
für das Jahr 1907.
Erstattet vom Museumsdirektor Dr. M. Haberlandt.
In noch viel intensiverer und umfangreicherer Art als in den Vorjahren hat sichdie Fortentwicklung unseres Instituts dank zur Verfügung stehender reichlicherer Mittelim Berichtsjahre 1907 vollzogen, Schon seit 1904 wurde der Ausbau der Sammlungen,welcher in den Jahren 1899 bis 1903 in verhältnismäßig ruhigem Tempo vor sichgegangen war, von mir neuerdings aufs eifrigste betrieben, wozu einerseits die Erhöhungunserer Mittel, andererseits die Verschärfung der Konkurrenz und die wachsende Dring-lichkeit der Aufgabe die Impulse gaben. Der ergiebigen Sammelkampagne von 1906 istnun ein noch reicheres Erntejahr 1907 gefolgt, in welchem die Vermehrung unsererethnographischen Hauptsammlung nicht weniger als 2005 ausgewählte Stücke vonhohem volkskundlichen Interesse aus den meisten österreichischen Länder- und Volks-gebieten betrug. Allerdings war ich in die glückliche Lage versetzt, über K 9204 · 28 fürAnkaufszwecke zu verfügen, wovon K 3507.93 auf Rechnung des Jahres 1908 gebuchtworden sind.
Ich selbst im Vereine mit meinem Sohne Artur Haberlandt, stud. phil. an derk. k. Universität Wien, habe Gelegenheit gehabt, in weniger durchforschten und aus-gebeuteten Gebieten Istriens, in den rumänischen Einwandererdörfern in der Umgebungdes Čepicsees( im Norden des Monte Maggiore- Gebietes) eine größere Zahl wertvollerAufsammlungen zu machen, welche die ethnographische Eigenart dieser Rumänencharakteristisch illustrieren.
Der Aufseher des Museums, Herr Ulrich Schuster, hat in einigen TälernKärntens und Osttirols mit großem Eifer und Geschick Aufsammlungen bewerkstelligt,welche ein sehr stattliches Ergebnis an Trachtenstücken, Hausrat, Werkzeugen, Kult-objekten u. s. w.( über 300 Stück) ergaben. Fräulein Magdalena Wankel, die bekannteSammlerin und unermüdliche Mitarbeiterin auf dem Gebiete der tschechoslawischen Volks-kunde, fand sich liebenswürdigerweise bereit, in Böhmen und Mähren für unser Museumtätig zu sein; das Ergebnis ihrer Bemühungen war ein überaus zufriedenstellendes,indem wir zwei vollständige Hannakenkostüme, eine große Zahl schöner slowakischer,walachischer und hannakischer Stickereien und Spitzen, zwei Pravo, zahlreiche Spielereien,Wachsvotive und dergleichen, ferner die vollständige Figur der Smrtolka und der Čara-mura für unser Museum erlangten. Bei der Beschaffung der letzigenannten wertvollenSymbole wurde Fräulein M. Wankel von ihrer Schwester, Frau Lucia Bakeš inKlein- Urhau, auf das nachdrücklichste unterstützt. Ich erlaube mir, beiden Damen hierden wärmsten und verbindlichsten Dank für ihre liebenswürdigen, selbstlosen Bemühungenzu sagen und die Hoffnung auszusprechen, daß diese wertvolle Verbindung auch inZukunft aufrechterhalten bleiben wird.
Größere Sammlungen wurden aus Südtirol, dem Pustertale, aus Oberösterreich,dem Bojkengebiete in Galizien, aus Salzburg, Niederösterreich, aus Istrien und Dalmatienangekauft und kleinere Posten aus Böhmen und Mähren, neben den obengenannten,erworben. Auch verschiedene Versteigerungen bedeutender Sammlungen im k. k. Versteige-rungsamte zu Wien, wie der Sammlung v. Walcher, Friedrich Uhl, boten der DirektionGelegenheit, namentlich die Kollektionen von Bauernmajoliken und Kacheln aus Ober-österreich, Salzburg, Tirol und Istrien durch ausgewählte und wichtige Stücke zu bereichern,so daß die betreffende Abteilungen unseres Museums nunmehr die Grundlage für dieGeschichte der ländlichen Hafnerarbeiten dieser Volksgebiete abzugeben vermögen.