Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

IV. Literatur der österreichischen Volkskunde.

1. Besprechungen:

1. Dr. Eberhard Freiherr v. Künßberg: Über die Strafe des Stein-tragens.( Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte, 91. Heft.)Breslau, Verlag von M.& H. Marcus, 1907. 65 S. Preis: M. 2.40.

Unter den Ehrenstrafen, die in den deutschen Rechtsquellen des Mittelalters undder Neuzeit genannt werden, ist eine der häufigsten die Buße des Steintragens. Siebezieht sich meistens auf Frauen und ist eine Strafe hauptsächlich für Schelten undStreiten, Verleumden und Lästern. Der Strafstein, Bagstein( Pag-, Puk-, Bach-, Poch-stein), Lasterstein, Schandstein, Hader- oder Zankstein genannt, wurde der Übeltäterinan den Hals gehängt und mußte von ihr durch Markt oder Dorf getragen werden, wobeibeim Hause des oder der Ehrgeschädigten haltgemacht zu werden pflegte. Aus Öster-reich ist kein Exemplar eines derartigen Steines bekannt, wiewohl sich gerade fürNiederösterreich aus den Weistümern die Strafe in außerordentlich zahlreichen Fällen,namentlich im bäuerlichen Leben, nachweisen ließ( von 1412 bis 1748).

Zur Entstehung dieser merkwürdigen Strafform zieht der Verfasser die Harmschar( Fälle symbolischer Prozession) heran und erklärt dieselbe gleich den Strafen des Hunde-,Sattel- und Pflugradtragens für eine Abspaltung und Abschwächung der Strafknechtschaft.Der Stein ist dann ursprünglich ein Handmühlstein als Zeichen weiblicher Arbeitund hat, wie von anderer Seite vermutet worden ist, mit dem Mühlstein des Evangeliumsnichts zu tun.

Vielfach war an Stelle des Bagsteins die Fiedel als Strafwerkzeug für scheltendeWeiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber im Gebrauch. Das Museum für österreichische Volkskunde besitzt eine solcheaus dem Böhmerwalde: sie heißt dort Schandfiedel" und wurde nach der Überlieferungnoch im 19. Jahrhundert zu Fuchsberg gebraucht.

Dr. M. Haberlandt.

2. Egerländer Heimatsbuch. Gesammelte Aufsätze von Alois John. Eger 1907.Im Selbstverlag. 248 S.

Alois John, der deutschen Volkskunde wohl bekannt als der unermüdliche underfolgreiche Erforscher und Schilderer des Egerländer Volkstums, hat in diesem Buche- seinerHeimat ein hübsches Denkmal aufgerichtet. Natur und Volkskunst derselben weiß erlebendig zu schildern, für die Äußerungen der Volksseele hat er ein geschärftes, stetswaches Ohr. Man wird die teilweise schon bekannten Aufsätze mit Vergnügen durch-blättern und immer wieder auf anziehende und belehrende Einzelheiten stoßen, die selbstdem Kundigen unbekannt waren. Vollends wer ein Egerländer ist, muß das Büchlein zuseinem Hausfreund machen.Dr. M. Haberlandt.

3. Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Herausgegeben vonE. K. Blüm m 1. Verlag Dr. Rud. Ludwig, Wien.

I. Band: Heitere Volksgesänge aus Tirol.( Tisch- und Gesellschaftslieder.) MitSingweisen. Im Volke gesammelt und zusammengestellt von Franz Friedrich Kohl

Der bekannte Kenner und Sammler des Tiroler Volksliedes bringt in diesem statt-lichen Band eine große Zahl von Scherz- und Spottgesängen aus Tirol, die bei ver-schiedenen Anlässen, das Thema Mann oder Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib variierend oder auf verschiedeneHandwerke, den Bauernstand, die Herren und dergleichen gemünzt, recht Ungeschminktesaus der Seele des Tiroler Volkes zutage fördern. Kohl hat sie mit der an ihm bekanntenTreue aufgezeichnet die meisten in der Mundart hat sie mit einem wertvollen Ver-zeichnis mundartlicher Erklärungen und Dialektausdrücken und einer gehaltvollen Einführungversehen und überdies auch die Weisen beigegeben, welche zumeist im Volke bekannte

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