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Ethnographische Chronik aus Österreich.
Professor Dr. Kubitschek und Marie Lacroma, deren Besucher auch eine kleine Aus-stellung hausindustrieller und volkskünstlerischer Erzeugnisse aus Dalmatien zu bewundernGelegenheit hatten. Eine große Schar von Vertretern der Aristokratie und der vor-nehmsten Gesellschaftskreise hatte sich zu diesen Veranstaltungen eingefunden. Sehrrichtig waren die Ausführungen des Herrn Statthaltereisekretärs v. Pausinger über dieMöglichkeiten einer Förderung der dalmatinischen Volkskunst und kunstgewerblichenHausindustrien, welche sehr skeptisch lauteten, eine Ansicht, die für alle volkskünst-lerischen Gebiete in dieser Zeitschrift oft ausgesprochen worden ist.
Städtisches Archiv und Museum in Mies. Dem Beispiele anderer StädteDeutschböhmens folgend, ging auch die kgl. Stadt Mies, einst bekannt wegen ihresBergsegens an Blei- und Silbererzen, daran, ihre geschichtlichen und kulturgeschicht-lichen Denkmäler zu sammeln und einem städtischen Archive und Museum einzuverleiben.Die Bemühungen hierzu reichen schon über sechs Jahre zurück. Aufmunternde und auf-klärende Zeitungsnotizen im Lokalblatte, die Denkschrift eines Vereines, dem in ersterReihe die Förderung örtlicher Interessen der Gegenwart obliegt, vermochten lange Zeithindurch lediglich den Gedanken an die Errichtung jener gemeinnützigen Institutionenwach zu erhalten. Wenn auch in Urkundenpublikationen( Čelakovský J., Codex iurismunicipalis regni Boh. II.) oder Darstellungen( Dr. Juritsch G., Geschichtlichos von derkgl. Stadt Mies, 1905) das„ Mieser Stadtarchiv" als Fundstätte zitiert war, Eingeweihtenwar es leider bekannt, daß nur spärliche Urkunden und Akten ungeordnet in einer Kistesehr mäßigen Umfanges in einem Winkel des Stadthauses lagen, daß vor einem Menschen-alter( 1877 ff.) ein beträchtlicher Teil des zur Zeit des Mieser Chronisten Karl Watzka( † 28. Mai 1886) noch größtenteils erhaltenen, aber schlecht verwahrten Archivbestandes( an Stadtbüchern, Akten und dergleichen) auf unverantwortliche Weise abhanden kam,wohl auch unwiederbringlich vernichtet wurde. Daß Museumssachen gerade in dermodernen Zeit immer mehr verschwinden, ist allgemein bekannt.
Umsomehr war es an der Zeit, daß die Gemeindevertretung der Stadt Mies den inder Sitzung am 3. März 1906 von dem Mitgliede Gymnasialprofessor Georg Schmidtgestellten Antrag,„ es sei eine eigene städtische Kommission zur Errichtung und Er-haltung eines städtischen Archivs und Museums in Mies einzusetzen", lebhaft aufgriffund über warme Befürwortung des Bürgermeisters, Hans R. v. Streeruwitz, einstimmigannahm, Zum Obmanne dieser Kommission wurde der Stadtrat JUDr. Wenzel Wolfram jun.,zum Geschäftsleiter der Antragsteller gewählt. Aus verschiedenen Ursachen konnte sieerst am 26. April 1907 ihre Tätigkeit aufnehmen. Am Schlusse des ersten Verwaltungs-jahres( 1907) darf sie bereits auf schöne Erfolge zurückblicken. In wiederholtenSitzungen mußten die schweren Arbeiten des Anfanges erledigt werden. Es galt zunächst,das nur in geringem Maße vorhandene Interesse für die gute Sache unter der Bevölke-rung durch Aufrufe, Zeitungsberichte und dergleichen zu wecken, die nötigen Geldmittelim Wege einer öffentlichen Sammlung, die ganz erfreuliche Ergebnisse brachte, zu ge-winnen, durch sofortige Arbeit( Aufsammeln und Ankauf geeigneter Objekte) den Grund-stock zu legen, vor allem ein geeignetes Lokal zu beschaffen, bei den obwaltenden Ver-hältnissen eine der schwierigsten Aufgaben. In der Zeit vom 8. Juni bis 28. Dezember 1907wurden über die Tätigkeit der Archivs- und Museumskommission neun Berichte in der„ Deutschen Wacht an der Miesa" veröffentlicht; sie werden in loser Folge fortgesetztund geben schon jetzt ein erfreuliches Bild des steten Anwachsens der Archivs- undMuseumssachen. Eine große Zahl( 106) edler Spender hat sich im ersten Berichtsjahremit den verschiedensten Gegenständen eingestellt; mit 31. Dezember 1907 zählte dasMuseum 178 Gegenstände( in 243 Stücken), dazu 216 verschiedene Münzen, das Archiv119 Gegenstände( in 314 Stücken). Auch einzelne Ankäufe wurden durchgeführt: sowurde eine Madonnenstatue( aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts), die früher in derDekanalkirche stand, aus Privatbesitz erworben; mehrere in Mies oder dessen Umgebunggefundene Münzen( sächsische Taler von 1597, böhmischer Taler Ferdinands I. von 1562);alte Zinn- und Porzellanṣachen aus Mieser Bürgerhäusern; Bauernmädchenschmuck