Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Stegenšek.

aus Loče, wo der slovenische Dichter und Pfarrer Virk sie verfaßtoder wenigstens beeinflußt zu haben scheint. Erst mit dem Jahre 1870werden demnach slowenische Grabverse allgemeiner üblich oder, bessergesagt, kommt auch bei der Landbevölkerung das Stein- und daseiserne Grabkreuz an Stelle des früheren hölzernen Grabkreuzes inGebrauch. Für das VIII. Jahrzehnt( 1870–79) haben wir dann 14 In-schriften mit Versen, für das IX. sind ihrer 17, für das X. doppeltsoviel( 34) und für die ersten Jahre des neuen Jahrhundertes schonebensoviel( 34) wie im vorhergehenden Jahrzehnt. Man sieht dieSitte des Grabverses ist im Wachsen begriffen. Für die deutschenGrabverse ergeben sich aber folgende Zahlen: Für das I. Jahrzehnt( 1801-10) 1, II. 4, III.3, IV. 5, V.3, VII. 9,5= 2. Die Sitte des Grab-verses setzt demnach bei den deutschen Denkmälern gleich mit Be-ginn des vergangenen Jahrhundertes ein, erreicht ihren Höhepunkt inden Sechzigerjahren, bleibt dann ziemlich konstant, bis sie in denletzten Jahren aufgegeben wird. Trotz vieler deutscher Grabschriftenfindet sich auf dem Gonobitzer Friedhof kein einziger Grabvers seit1899. Jetzt sind modern kurze Zurufe wie» Auf Wiedersehen!«» Friede seiner Asche!« und dergleichen.

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VIII. 6, IX. 11, X.

9, 1901

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1, VI.

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Bei solchen Verhältnissen würde man erwarten, daß diedeutschen Grabverse den slowenischen zum Muster gedient hätten.Doch findet sich nichts dergleichen. Einige figürliche Ausdrückekommen zwar in beiden Sprachen vor, doch sie sind allgemeinchristlich( zum Beispiel Grabesschlummer, Lebenslauf als Pilgerfahrt,verstorbenes Kind als Rose und als Engel angeredet, die Wiederauf-weckung durch die Posaune, das Jenseits als Paradies und alsMorgenröte). Die deutschen Verse sind bilderreicher und ent-halten vieles Selbständige( zum Beispiel Dankeskranz, Lebensblüten-kranz, Gottes Schoß, Schoß der Ewigkeit, das Jenseits als unbekanntesLand, als lichter Geister Heimatland, der Tod als dunkle Pforte, dieBilder vom Lenz und Herbst, von der Stunde und der Kette). ImSlowenischen sind bildliche Ausdrücke selten. Beliebt sind Ver-kleinerungswörter( zum Beispiel das Erdchen, das Mütterchen, dasKindlein) und Beiwörter( die Erde ist weich, schütter, leicht, dasMütterchen ist golden, die Sterne sind freundlich und die Tränenwarm). Vieles erinnert an die Volkspoesie. Bei starker Betonung desCharakteristischen könnte man sagen, daß die deutschen Verse mehrbürgerliche Verstandes poesie, die slowenischen aber bäuer-liche Gefühls poesie enthalten.

Von den deutschen Versen sind bemerkenswert die aus derersten Hälfte des Jahrhunderts( bis etwa 1860), der Zeit der Romantik( Nr. 4, 23, 24, 25. 29 und 46), mit abgerundetem Inhalt und in richtigerForm. Ganz volkstümlich ist die interessante Inschrift des Bürger-meisters vom Jahre 1814( Nr. 26). Bei ihr ist kein Gebildeter als Pate