Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Nordische Bauernhäuser.

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in Frankreich finden.*) Zur Zeit der Bekehrung gab es keine Spur vonSteinbau, daher die Glaubensboten bemüßigt waren, die Kirchen in Holzzu erbauen und sich dazu der einheimischen Arbeiter zu bedienen. Siekonnten nichts weiter als die Form des Grundrisses und die ungefähreGestalt des Portals angeben, während die bauliche Ausführung, diehöchst originelle Gruppierung der Dachflächen und die Ornamentikecht national germanisch sein müssen. Es ist merkwürdig, daß es denSchnitzkünstlern gelang, an den Kirchen all diese mit dem heid-nischen Glossar ::: zum Glossareintrag nischen Glauben eng zusammenhängenden Fabeltiere, die den christ-lichen Priestern gewiß als abscheuliche Greuel dünkten, anzubringen.Jedenfalls haben wir hier in Bauweise und Zierformen eine von derSchulkunst sehr wenig beeinflußte Volkskunst vor uns.

Diese Kunst bildete sich offenbar nur an Kirchen und Häusernder Edlen heran. Beim Bauernhaus war wenig Gelegenheit dazu, indemdie Stube verraucht war, und wir außen nur manchesmal Schnitzwerkan der Eingangstür finden. In den Stuben reicherer Bauern istöfter auf dem Bundtram eine durchbrochene Schnitzerei in Formvon Drachen aufgesetzt. Nur die Speicher( Abb. 22) waren meistverziert, was auch bei uns der Fall ist. Schon das obere ausladendeGeschoß, welches oft Galerien mit Rundbogenöffnungen erhielt, schufeine gefällige Form, außerdem erhielten die Türgewände, Eck- undanderen Säulen oft recht reiche Schnitzereien, die Türe wurde mitRankenbeschlägen versehen und zierlich verstemmt.

Die Stuben zeigen im Innern zuerst das runde, später glattbehauenes Holz. Ausschmückung im Innern konnte erst danneinsetzen, als nach 1600 durch die Einführung des Peis der Raumrauchlos wurde. Unter besseren Verhältnissen sind die Stuben, wiein Dalarne, schön getäfelt und auch noch bemalt. In bescheidenerenHäusern ist nur die Wand mit den Bettkojen besser ausgestaltet.Später sind manchmal schön geschnitzte Möbel vorhanden undbesonders reich ist die Ausschmückung mit textilen Erzeugnissen desHausfleißes, wie gestickten und gewerbsmäßig erzeugten Leinen-und Papierteppichen, welche mit religiösen Darstellungen undOrnamenten in volkstümlicher Weise reich bemalt sind. Doch hängtman diese Sachen nur an Feiertagen an Wand- und Dachflächen( Abb. 21),1), während sie sonst in Kisten verwahrt werden. An Wochen-tagen verwendet man auch gewöhnliches Linnen. Wirksamen Schmuckverleihen die sehr oft um das ganze Gemach auf Stellbrettern an-gebrachten Teller, obwohl sie bei Bauern, nicht wie bei uns, wirklichzum Essen bei feierlichen Gelegenheiten verwendet wurden.

Rein bäuerliche Hausarbeiten in Holz sind in den sonst soreichen nordischen Sammlungen nur wenige erhalten, ein Zeichen,daß sie überhaupt nicht sehr zahlreich waren. Hie und da sieht manein Möbel mit Ritztechnik, die mit leichten Furchen in ungeschickter

*) Viollet- le- Duc, Dictionnaire raisonné: Maison".