Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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14 (1908) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Nordische Bauernhäuser.

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Das niedersächsische Haus vereinigte offenbar seit jeher Wohnung,Stall und Scheuer unter einem Dache, und der Wohnraum erscheintin der besprochenen Weise nur als ein späteres Anhängsel des Wirt-schaftstrakts.( Abb. 1.) Im allgemeinen ist das Haus mit Rücksichtauf den knappen Waldbestand in baulicher Beziehung als dreischiffigebreite Halle bemerkenswert. Das Mittelschiff ist ein Bau für sich, andem die Seitenschiffe lehnen, einst vielleicht nur die Räume unter denbis zur Erde gehenden Dachflächen des Mittelschiffes.

Die Fortbildung geschah beim sächsischen Hause, wie fast über-all, infolge der Absonderung des Bauern vom Gesinde, indem etwavom 16. und 17. Jahrhunderte an zuerst für den Besitzer an das Flettdas Wohnfach angebaut wurde( Abb. 2 und 3), enthaltend die» Pesel und bald auch noch andere Räume. Der Name Pesel stammtvon pisalis, mit welchem Worte man zur Zeit Karls des Großen undin den Epen( Gudrun 996, 1064, 1298) ein beheizbares Gemach be-zeichnete. Unsere Pesel war jedoch nicht heizbar, da im größtenTeile des sächsischen Hausgebietes Holzmangel herrschte und dasHerdfeuer während der Tageszeit alle Hausbewohner vereinigte, sodaß die Pesel nur Schlaf- und Prunkgemach war. Man ertrug indieser Hinsicht große Entbehrungen, indem man sich nur warm an-zog, die Frauen die Stöffchen zwischen die Füße nahmen oder auchsich tagsüber ins Bett legten. Im 17. Jahrhunderte fing man an, imWohnfache besondere heizbare Gemächer, die» Dönsen«, einzu-richten, offenbar unter mitteldeutschem, nicht holländischem Einflusse,welche einen vom Flett aus zu beschickenden Ofen, den» Bilegger«<,hatten, wobei es bis ins 19. Jahrhundert meist blieb. Trotzdem be-gnügte man sich noch oft bis dahin an halbwegs milden Wintertagenmit dem Herdfeuer. Nach Meiborg geschah der Zubau der Dönse imSchleswigschen oft erst am Beginne des 19. Jahrhundertes. In einemTeile der Häuser, besonders bei den Friesen und in anderen Land-schaften, richtete man auch statt des offenen Herdes, der übrigensan die Flettwand gerückt und mit Seitenwänden versehen wordenwar, eine besondere Küche im Wohnfache ein, die endlich auch einenSchlot erhielt. Diese Anlage des Herdes, der nun vollständig einemKamin glich, deutet hier, wie im gleichen Falle in Schweden undNorwegen der Peis, auf holländischen Einfluß. Schließlich kamen oftnoch eine zweite Döns und verschiedene Schlaf- und Vorratskammerndazu. Dies begann im Münsterland schon nach 1500, in Oldenburgund dem östlichen Westfalen erst seit kurzem.

An der Grenze des niedersächsischen und dänischen Hauses umSchleswig liegt ein breiter Gürtel von Mischformen, welche keine be-stimmten Typen erkennen lassen. Überhaupt ist es beim dänischenHause*) schwierig, in kurzem einen Überblick zu geben. Die Ab-bildungen 4 und 5 stellen zwei alte dänische Häuser dar, etwa aus*) Henning: Das deutsche Haus, S. 48.