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Literatur der österreichischen Volkskunde.
[ 66] Grundriß Abb. 3. Über fortgesetzte Einflußnahme im 19. Jahrhunderte bequemtensich die Bauern zur Herstellung gemauerter Schlote, wozu die Feuerstelle ganz ummauertwerden mußte. Nach mehreren Übergängen kam man zweifellos nach Vorbildern jenseitsder Westgrenze oder der Deutschen im Lande darauf, die vier Mauern der Küche oberhalbderart zusammenzuziehen, daß sie über dem Dache einen Schlot bildeten.*)[ 66] DieseSchlotküchen sind in Preußen von Pommern und Brandenburg bis an die Ostgrenze ver-breitet. Da bei dieser Lage der Küche an der Außenwand die Ausmündung des Schlotesmitten in eine Seitenfläche des Daches fiel, wodurch das oberhalb auffallende Regenwasserlängs des Schlotes ins Innere herablaufen mußte, rückte man sie etwas nach der Mitte desHauses.( Abb. 4.)[ 67] Dieses Beispiel ist älter und hat noch einen über das Dach reichendenHolzschlot, welcher auf dem Lehmsteingewölbe der Küche sitzt. In diesem Hause sindaber auch spätere recht moderne Einrichtungen, als ein an die Küche anstoßender Kessel-herd( Grapen), in der Wirtswohnung hh ein englischer( eiserner) Sparherd, desgleichenauch in der Gesindestube b.
Abb. 5 bringt den Plan eines neueren Hauses[ 68] mit der Trichterküche vollständigin der Mitte des Hauses nach preußischem Muster und außer der großen Stube noch vierheizbaren Räumen. Es ist dies die Folge der im 19. Jahrhunderte nach der Befreiung desBauern eintretenden Scheidung des Wirtes vom Gesinde in Kochen, Essen und Schlafen.Die dunkle schwarze Trichterküche wird dann zumeist nur zu den starken Feuerungenbenützt. Der Mantelschlot war vor der Einführung im Bauernhause schon längst inPfarr- und einfachen Edelhöfen vorhanden.„ Der blaue Himmel schaute freundlich vonoben in den unten sehr dunklen Raum hinein, oder ein andermal fielen die Regentropfenvon Ruß gefärbt auf das Haupt der Köchin. Auch die Hauseinteilung dieser Herrenhöfewar ähnlich wie Abb. 5, nur in größeren Abmessungen und noch um einige Gemächervermehrt. Die Trichterküchen inmitten des Hauses kommen besonders häufig im östlichenPreußen und auch noch der Mark Brandenburg vor, hier jedenfalls früher, wie ich schonoben bemerkt habe.**) In den Kammern der Abildungen 3, 4 und 5 sind in neuerer Zeitschon englische Herde in Verwendung.
Von den Russen scheint keine Entlehnung des Schlotes stattgefunden zu haben, dadort der Rauch entweder aus dem Ofen oder meistens durch einen Mantel über derOfenöffnung aufgefangen und über Dach geführt wurde. Ähnliche Einrichtungen sind beiallen österreichischen Nordslawen zu finden.***)
[ 70] Das Wohngemach, Istaba, Ustuba, Estuba und Stuba( litauisch), ist die Winter-behausung, während der Nams zur Sommerwohnung bleibt. Der Verfasser nimmt füristuba zuerst sprachlichen und sachlichen Ursprung aus dem Slawischen an, wo das Wortschon bei Nestor im 11. Jahrhundert vorkommt. Doch die weite Verbreitung in germanischenund romanischen Sprachen zeige die slawische Entlehnung. Deutsche Sprachforschernehmen ziemlich übereinstimmend den germanischen Ursprung von„ stieben" des Dampfesan. Ich bin anderer Ansicht und habe auf Grund von Belegen zumindest die deutscheAbstammung geleugnet. †) Ich bin dafür, das Wort für griechisch oder slawisch anzunehmenund begründe dies genauer in Erweiterung meiner eben erwähnten Abhandlung an eineranderen Stelle dieser Zeitschrift( oben S. 164 ff.). Ich will nur kurz den Gedankengang darlegen.Homer kennt bei den Griechen noch kein Dampf-, nur Wannenbäder. Doch schon Herodotspricht( Kap. IV, 73 und 75) von Dampfbädern bei den Skythen und vergleicht sie mit dengriechischen Anlagen dieser Art. Tacitus erwähnt ††) bei den Germanen nur warmeBäder.- Später erscheint in den germanischen Volksgesetzen eine Stuba, welche alsBad, aber auch als Darr- und Backraum genommen werden kann und später zum Wohn-raum wurde. Nach O. Schrader †††) kann das Wort Stube vom griechischen topoç,
*) Bauernhaus in Österreich- Ungarn. S. 135.
*** Bauernhaus im Deutschen Reich. Ost- und Westpreußen, Brandenburg.
***) Bauernhaus in Österreich- Ungarn. S. 127-42.
†) Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines 1907. S. 161.Germania 22.
ttt) Sprachvergleichung und Urgeschichte II. Teil Urzeit, 2. Absch., Kap. 10, Wohnung.