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Literatur der österreichischen Volkskunde.
Wir finden von volkskundlichem Interesse einige Bauernhöfe, Stuben( darunter 157bemerkenswert), zahlreiche Möbel( 361), sehr viele geschnitzte Mangeln, dann Pferde-geschirre, Hundehalsbänder, Bestecke( 205), bemalte Schachteln, zierliche Neujahrsbriefe,eine große Menge von Geschirren aller Art, bemalte Gläser und Schreibzeuge. Im weiterenalte Lampen, Laternen, Pfannknechte, Küchenlaternen, Kuchenformen( 629), Trachten-bilder( 838, 854-857), Kleidung, Schmuck, Tabakspfeifen, Beute! und Webevorrichtungen.Stark vertreten sind Wirtshausschilder an zierlichen Trägern( 33, 104), auch Hauszeichenund Schildportale. Eine große Mannigfaltigkeit bieten die Bildstöcke( 275, 339, 733, 882),durchwegs in Renaissance, welche die unsrigen jener Zeit an Reichtum überragen. Da-gegen fehlen gotische Formen vollständig. Friedhöfe und Grabkreuze sind in einigenAnton Dachler.
Stücken vertreten.
9. Dr. Oskar Firbas( Klagenfurt): Anthropogeographische Problemeaus dem Viertel unter dem Manhartsberge in Niederösterreich.In Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde", herausgegeben von DoktorA. Kirchhoff. Bd. XVI, Heft 5. Stuttgart, J. Engelhorn, 1907. Mit 8 Karten und 23 Text-abbildungen. 96 Seiten. K 9.60.
Der Verfasser bringt zuerst verschiedene bekannte geographische und anthropo-logische Daten über sein Feld, Was er dagegen an Neuem vorführt, ist fast durchgehendszu verwerfen. Die ganze Abhandlung soll als Grundpfeiler für einen von ihm vorgefaßtenGedanken gelten, daß die Bewohner des V. u. M. B. und deren Eigenschaften von einem nochunbestimmten germanischen oder auch slawischen Stamme herrühren, welcher das Landentgegen allen Hindernissen bis in die geschichtlich klare Zeit besetzt hielt und auch späterenSiedlern seine Eigentümlichkeiten aufgedrückt hat. Die Ursache der gegenwärtigen von derbayrischen stark abweichenden Mundart sollen, trotz der vom Verfasser angenommenenjüngeren bayrischen Besiedlung, besonders gebaute Sprachwerkzeuge sein, wofür selbst-redend kein Grund vorgebracht wird. Die gegenwärtig feststehende Ansicht einer starkenfränkischen, beziehungsweise nordgauischen Einwanderung hat der Verfasser nicht zuerschüttern versucht, dagegen die somatologischen Beobachtungen in einer Weise ver-wendet, daß das Gegenteil dessen herauskommt, für was sie sprechen, nämlich für einefränkische Besiedlung. Um die infolge gewaltsamer Annahmen aufgetauchten Widersprüchezu beseitigen, war er gezwungen, für die Heanzen unter anderem besondere Theorienaufzustellen, welche im Widerspruche mit den geschichtlichen Ereignissen stehen.
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Betreffs der Hausforschung hat er bloß einige ganz neue Formen aus einem sebrengen Kreise gebracht und die uralten Giebelhäuser ohne jeden Grund als spätere Formenerklärt. Die Ergebnisse der Bauernhausforschung von Niederösterreich scheinen ihmunbekannt zu sein oder wurden vernachlässigt. Fast komisch nimmt sich die Vergleichungunserer Bauernhäuser mit dem altgriechischen oder nordischen Hause, dem griechischenTempel und anderem aus, wie es Meitzen in gleicher Weise, allerdings mit etwas mehrGrund für das ostdeutsche Haus getan hat, wofür hier jede Berechtigung mangelt. Trotzalledem verkündet der Verfasser in fast feierlicher Weise die Richtigkeit seiner Annahmen.In bezug auf die„ Hausberge" ist er in einem zeitwidrigen Irrtum, da dieselben ent-sprechend den Funden nicht quadisch sein können. Die Anwesenheit von Slawen seit derAwarenzeit bis zu Kaiser Heinrich III. kann nicht geleugnet werden.
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Ähnliche unvollkommene Arbeiten erscheinen wiederbolt und finden in der Regeldie gebührende Nichtachtung. Der Ort jedoch, wo die vorstehende Abhandlung Platzgefunden hat, zwingt zur Besprechung. Schon haben sich der„ Globus"( Bd. 92, Nr. 1) und, Das Wissen für Alle", 1907, S. 523, mit allen Folgerungen des Verfassers einverstandeuerklärt, und es ist leider zu befürchten, daß auf Grund dessen die falschen Annahmenauf Jahre hinaus weite Verbreitung finden werden, wenn auch jeder Fachmann selbst ohnenähere Bekanntschaft mit dem Gegenstande mindestens mißtrauisch werden sollte.Anton Dachler.
Schluß der Redaktion: 30. Juli 1907.