Allerseelengebäcke.
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Ebenso hat das sächsische» Reformationsbrot«( Fig. 28), das amReformationsfest( vier Tage nach Allerheiligen) in Sachsen üblichist, die zeitliche Rolle eines volksüblich hergebrachten Seelenbrotesfortgesetzt; es heißt auch» Pfaffenkäppchen«,» Tetzelmütze« wegenseiner Ähnlichkeit; es ist ein flaches, oben vierfach eingeschnittenes,das heißt kreuzförmig eingekerbtes feineres Kreuzbrot mit Korinthen( panis decussatus, tétpaßhopos). Über diese Kreuzbrote siehe meineOstergebäcke, S. 14. Es sind dies die mit Teilfurchen zur leichterenVerteilung und Brechbarkeit versehenen quadratisch gefelderten Toten-brote, welche in vier gleich große Stücke gebrochen wurden. DieFractio panisàproxhasia( Binterim II. 52, Wilpert 210) findet sich,wie auch das oben schon erwähnte Opfer eines Menschen in Teigform,beim altgriechischen Liebeszauber vor, bei dem ebenfalls die Seelen-geister zum Liebesmahl herbeigerufen werden, wofür sie dann ihremagischen Geisterkräfte zur Verfügung stellen( Fahz, 167). DieserTrieb, sich mit dem Übersinnlichen, Göttlichen zu vereinigen, Gottgleich oder ähnlich zu werden, wurzelt tief in des Menschen Herz.
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Das Patengeschenk auf Allerseelen ist eine christliche Weiter-bildung des Sippengeschenkes vom Glückstisch bei der Seelen-speisung( tabula fortunae). In Tirol erhalten die Mädchen als Paten-spende das Hühnerbrot in Gestalt einer gebackenen Henne( Fig. 29),ein Semmelteiggebäck, welches eine Kluckhenne mit ihren unter denFittichen versteckten, schneckenartig eingerollten Kücklein vorstellt,auch auf Allerheiligen; ebenso aber auch auf anderen mit einemSeelenkulte verbundenen Festtagen( Weihnachten, Ostern oder Neu-jahr, auch Nikolaus etc.[ Z. d. V. f. V. K., 1896, 319]). Es ist auchder in Tirol den Knaben als Patenspende geschenkte Allerseelenhase( Fig. 30) wie die Seelenhenne der Mädchen nur ein auf Allerseelenübertragenes Festgeschenk aus der Neujahrszeit; es ist nur in Bozenund Gossensaß üblich.
Das Horn gebäck fehlt am Allerseelentag ganz; überhaupt istdas Tiersymbol an diesem rein kirchlichen Seelenfesttage nahezufehlend, bis auf den eben erwähnten, aber nur als Ausnahmegeltenden Tiroler Brauch. Solche Tiergestalten aus Teig( réppata siçζῴων μορφὰς τετυπωμένα) vertreten die früheren blutigen Tieropfer; ananderen mit Seelenkult im Volksbrauch verbundenen Tagen habensie sich bis heute erhalten.
Wenn wir nun die Gebildbrote am Allerseelentag und jenebei Sterbefällen( s. Arch. f. Anthrop., 1907) vergleichen mit denübrigen Festzeitgebäcken, so können wir schließen, daß da, wo Hirse-brei, Knaufgebäcke, Bretzeln, Zopfgebäcke, Kreuzbrote, Lichterkuchen,als vorwiegend an bestimmte Zeiten gebundene Speisen üblich sind,wir sicher auf irgendeinen mit diesen Zeitpunkten zusammenhängen-den Seelenkult( Totenfeier) schließen dürfen, der selbst wieder ausverschiedenen Zeiten stammen kann. Damit soll aber durchaus nicht