Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Höfler.

worunter heute än manchen Orten auch die Seelenzöpfe verstandenwerden, die aber eigentlich keine flache Fladenform haben; die Zöpfeals jüngere Gebildbrote übernahmen eben die Bezeichnung der älterenZeitgebäcke. In vielen Häusern des Marktes Mittenwald( O.- Bayern)und namentlich in den vier Mühlen(= Gemeindemehlopfer) werdenam Allerseelentag sogenannte Seelenzelten und die oben schon er-wähnten altherkömmlichen» Bücheln«< gebacken und nebst anderenAlmosen unter die Armen verteilt; die Kinder, auch jene der Wohl-habenden, laufen an diesem Tag schaarenweise in die Häuser undam liebsten in die Mühlen, um ein Almosen und ein»> Büchele<< zuerobern( Baader, 353). Die Gemeinde-( o. Sippen-) Mühlen hatten über-haupt häufig die Verpflichtung, solche Opferbrote( auch Altarlaibe,Kirchtrachtbrote) zur alten Kultstätte für die verstorbenen Sippschafts-ahnen zu liefern. In Forst( O.- Bayern) schreien die die Totenspendezusammentragenden, beziehungsweise bettelnden Kinder:» Seel'raus!«<;jedes erhält dann ein sogenanntes» Seelenstuck«<.

Flache, tafelförmige, brettartige Honigkuchen, sogenannte Honigzelten, wurden am Lechrain von der am Grabe wachenden Frau andie armen Grabbeter verteilt, eine andere Art der Verteilung desSeelenstuckes an die anteilnehmenden Sippengenossen( Panzer, Bei-träge, II, 103); da solche flache Seelenbrote auch in der Kirche ge-opfert wurden, so nannte man sie auch» Opferzelten«( Schmeller 2 II;1118); verallgemeinert heißen auch die zopfförmigen Brote diesesTages» Seelenzelten«( ohne daß diese flache ausgebreitete Formhätten).

Unter» Seelenstuck« versteht man in Tirol auch jedes Paten-geschenk der Allerseelenzeit. Das Berchtesgadener» Seelenstuck<stellt flachgedrückte Pfennig- Muckerln in einer Zeile oder Reihe dar.Die Kinder erbetteln sich das Seelenstuck scharenweise umziehendvon Haus zu Haus am Allerseelentag mit dem Ruf:» Bitt gar schönum's Stuck!«( Fig. 5).

6. Die Krapfen oder richtiger Krapfennudeln sind nur in Tirolam Allerseelentag üblich; der eigentliche Krapfen, das heißt das eininneres Füllsel hakenartig umschließende, dieses mit gekrüpften Teig-klammern umgreifende, oben hakenartig aufgerissene rundballige Gebäck ist sonst nur ein Frühlings- oder Fastnachtsgebilde; die Tirolersogenannten Krapfen sind eben nur Nudeln, die nach Krapfenart inder Schmalzpfanne gebacken werden, ausgezogene kleine Teigfladen.Das Füllsel der echten Krapfen ist Honig, Mohn- oder Kastanien:farce etc. In Gossensáẞ bleiben von den sogenannten Krapfen( richtigerKrapfennudeln), die die Leute am Allerseelenabend essen, einigeStücke nachts für die armen Seelen auf dem Tisch stehen, die sichdann die Armen durch's Fenster vom Tisch wegstehlen( Z. d. V. f.V. K., VI, 308, 1896, 319; Heyl, 762; Simrock 350). Über die eigent-lichen Krapfen, die ich als rundballige Herzsymbole der Griechen