Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

ein wichtiger Handelsplatz für den Osten, bis Krems, Hainburg und endlich Wien in dieHöhe kamen. Sein Stadtrecht von 1212 ist älter als das Wiener. Die äußeren Erbteileder Vergangenheit sind zwei interessante gotische Kirchen, mehrere schöne Steinbildṣtöcke,eine Totenleuchte, verschiedene alte Baureste in den Stadthäusern und der schöne Platzmit dem Stadtturm. Zwei Museen bergen so manche wichtige Gegenstände von derRömer bis zur Jetztzeit. Die Schloßherren der Burg sammelten schon im 18. JahrhundertAltertümer, später die Stadt örtliche Merkwürdigkeiten, während Schulleiter Bukounigdie römischen Reste gewissenhaft zu einem heute noch getrennt bestehenden Museumvereinigte. Landgraf V. E. Fürstenberg vermachte die herrschaftliche Sammlung 1897 derStadt und der 1892 gegründete Musealverein besorgt mit Eifer und Geschick die Ver-wahrung und Vermehrung der Bestände.

Abgesehen von den vorgeschichtlichen und römischen Gegenständen sind vielestädtische Waffen vom 16. Jahrhundert an vorhanden. Von den eigentlich volkskundlichenGegenständen sind die meisten Abteilungen, wenn auch nicht reichlich, doch in einzelnenStücken, hauptsächlich städtischer Herkunft vertreten. Wir finden städtische Maße undGewichte, Zunftladen, einige Rechtsaltertümer, Raufwerkzeuge, Ölbilder, Photographienund Stiche mit verschiedenen Ansichten von Enns, Schlösser, Beschläge und einzelneMöbel. Von den Heizungsgeräten sehen wir solche zum Feuermachen, Herdgeräte,Beleuchtungsvorrichtungen vom Spanleuchter an, Kachelöfen, einzelne Möbel, zahlreicheTrachten von Stadt und Land, nebst Münzen, Siegel und Urkunden. Die Stadt besitztnoch die kostbare Urschrift des Stadtrechtes vom Jahre 1212.

Als Anhang folgt ein reich mit Abbildungen, versehener Führer durch die Stadtmit Geschichtsabriß. Den Bestrebungen des Musealvereines möge weiterer Erfolgbeschieden sein.Anton Dachler.

Das niederösterreichische Landesmuseum in Wien. Der rührige Museums-ausschuß der Vereines für niederösterreichische Landeskunde, welcher sich durch dieVertreter einiger ansehnlicher wissenschaftlicher Korporationen Wiens verstärkt hat,kann vorläufig auf den erfreulichen Erfolg hinweisen, durch das Entgegenkommen desniederösterreichischen Landtages vorerst in den Besitz schöner und vorläufig gewiß auchausreichender Räumlichkeiten gelangt zu sein. Wenn der gewöhnliche Entwicklungsgangbei der Entstehung von Museen allerdings meist der umgekehrte zu sein pflegt, daßnämlich zuerst die Sammlung und dann die Lokalitäten hierfür beschafft werden, so darf esin dem Ausnahmsfalle des zukünftigen niederösterreichischen Landesmuseums nur erfreulichgenannt werden, daß die Veranstalter der quälenden Heimfrage für den ersten Anfangenthoben sind. Am Sonntag den 10. März fand im Landtagssitzungssaal eine öffentlicheVersammlung zur Förderung des niederösterreichischen Museums statt, bei welcherProf. Dr. R. v. Wettstein über die naturwissenschaftlichen Aufgaben, Herr HofratProf. Dr. Josef Neuwirth über diejenigen in bezug auf Geschichte, Kultur und Kunst,welche einer solchen Schöpfung obliegen, sprachen.

Dr. Wilhelm Ritter v. Hartel. Wir genügen nur einer Pflicht der Dankbarkeit,indem auch an dieser Stelle das Andenken an den jüngst verstorbenen ehemaligenUnterrichtsminister Dr. Wilhelm Ritter v. Hartel in hohen Ehren wachgehalten wird.Der verewigte Gelehrte und Staatsmann stand als Ausschußmitglied gütig fördernd undratend an der Wiege unseres Vereines und dieser Zeitschrift; er hat uns damals manchebedeutsame Verbindung anzuknüpfen geholfen und lieh später an leitender Stelle imStaate sein Ohr bereitwillig jeder Bitte um weitere Förderung unserer Bestrebungen. DieÖsterreichische Volksliedforschung ist Dr. Ritter v. Hartel für seine Initiative in dermit bedeutenden staatlichen Mitteln und auf Grund einer umfassenden Arbeitsorganisationunternommenen Sammlung des Volksliedschatzes sämtlicher österreichischer Volksstämmezu dauernder tiefer Dankbarkeit verpflichtet.

Theodor Vernaleken. In Graz ist am 27. Februar der bekannte Schriftstellerund Pädagog Theodor Vernaleken im 95. Lebensjahre gestorben. Vernaleken, eingeborener Preuße, besuchte die Hochschule in Zürich und das Seminar in Küßnacht und