Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Verein für österreichische Volkskunde.

Österreichs muß schon jetzt in Kisten und Kasten versteckt bleiben.Neue Sammlungen einzubringen, die immer seltener werdendenkostbaren nationalen Güter vor der Vernichtung und Zersplitterungweiterhin pflichtmäßig zu bergen, ist geradezu ein Ding der Un-möglichkeit geworden.

In dieser Bedrängnis und Not ruft die unterfertigte Leitung desVereines mit vollem Vertrauen die werktätige Mithilfe der großenÖffentlichkeit auf. Für sie und für die künftigen Generationen, welchepietätvoll fragen werden, wie man einstmals in unserem Vaterlandegelebt und gehaust, ist das Museum für österreichische Volkskundeaufgerichtet worden: möge sie helfen, seine Weiterentwicklung indie richtigen und gedeihlichen Wege zu leiten, möge sie beitragen,dieser Erinnerungs- und Ehrenstätte unseres alten Volkstums ohneUnterschied der Nationalitäten ein Heim zu bauen. Nur in einemeigenen bescheidenen, aber zweckmäßigen Hause kanndie Zukunft unseres Instituts, an dem jeder ÖsterreicherInteresse nehmen kann und soll, sichergestellt werden.

Folgen wir dem aneifernden Beispiel in der Pflege der Volks-kunde, das uns die andere Reichshälfte in Budapest, das uns Berlinund Nürnberg mit ihren vaterländischen Museen, Schweden mit demweltberühmten Nordischen Museum und die nordischen Hauptstädtein größtem Stil gegeben haben. Die Zeit drängt; es ist die zwölfteStunde geworden. Unaufhaltsam verfällt und verwittert die angestammteEigenart unserer Volksstämme; wenn wir uns nicht beeilen mit demRettungswerk, so wird es für alle Zeiten zu spät sein.

Volkskunde und Volkskunst ist heute überall dieLosung! Möge sich jeder, der für sein Volk und seine urwüchsigeTüchtigkeit Sinn und Liebe im Herzen bewahrt hat, bereitfindenlassen, sein Scherflein für das Haus der österreichischen Volkskundeund Volkskunst beizusteuern.

Jede, auch die kleinste Gabe wird willkommen sein. DasHaus für alle Güter unserer Völker soll vom ganzen Volke erbaut werden.Wenn wir uns selbst helfen, wird zuletzt auch der Staat seinemächtige Hand an diese Sache legen und die Zukunft desMuseums für österreichische Volkskunde im eigenenHause wird für alle Zeit gesichert sein.

Wien, im Jänner 1907.

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Die Leitung

des

Vereines für österreichische Volkskunde.

Fonds zur Erwerbung

eines

Alle Spenden für denHauses für das Museum für österreichische Volkskundewerden an den Geschäftsführer Dr. S. Feßler, Wien, I. Franz Josefs-Kai 19, erbeten. Die einlangenden Spenden werden in den Tages-blättern und der Zeitschrift des Vereines öffentlich ausgewiesen.