Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
13 (1907) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Aufruf!

Das vor einem Dezennium*) vom Verein für österreichische Volks-kunde begründete

Museum für österreichische Volkskunde

in Wien, I/ 4. Wipplingerstraße 34

hat sich über alle Erwartung rasch und günstig durch rastlose underfolgreiche Arbeit aus bescheidenen Anfängen zu einer reichenSchatzkammer altösterreichischen Lebens, altöster-reichischer Arbeit und Sitte in ihren verschiedenen natio-nalen Abschattungen entwickelt. Es füllt mit Ehren die großeund empfindliche Lücke, welche in den großen öffentlichen Samm-lungen der Reichshauptstadt übrig geblieben war: das österreichischeVolksleben, die angestammte nationale Kunst und Arbeitin ihrer anheimelnden Urwüchsigkeit ist in Wien nirgendsanders als im Museum für österreichische Volkskunde zu finden.

Die Urteile der inländischen wie der ausländischen Fachgelehrtenes seien von vielen Stimmen nur Direktor K. Lacher( Graz),Prof. Dr. V. Tille( Prag), Prof. Dr. R. Meringer( Graz), DirektorDr. B. Obst( Leipzig), Direktor Dr. v. Bezold( Nürnberg), DirektorJulius Brinkmann( Hamburg) genannt sind einstimmig in derAnerkennung des Geleisteten, der Dringlichkeit seiner Fortentwick-lung, der Ersprießlichkeit seiner Wirkungen für Forschung und Kunst.

Nur ein großer, ja verhängnisvoller Notstand be-droht die gesunde und notwendige Ausgestaltung dieser Schöpfung,auf welche Wien alle Ürsache hat stolz zu sein: der lähmendePlatzmangel, die geradezu unerträglich gewordenenÜbelstände in der räumlichen Unterbringung des Museums fürösterreichische Volkskunde.

Eine Sammlung von über 20.000 Objekten, die in den nächstenJahren noch auf mehr als den doppelten Bestand zu bringen ist, solldas hier aufgebaute Gemälde von Österreichs Volkstum ein voll-ständiges werden, ist in gänzlich ungenügenden, schlecht beleuch-teten und unbeheizbaren Mieträumlichkeiten des Börsen-gebäudes untergebracht und sieht sich von Vierteljahr zu Vierteljahrvor die Möglichkeit gestellt, durch einfache Kündigung auch diesesvorläufigen Heims plötzlich beraubt zu werden. Mehr als dieHälfte der gesammelten wertvollen Dokumente zur Ethnographie

*) Der im Jahre 1894 begründete Verein für österreichische Volkskunde eröffnetedas Museum für österreichische Volkskunde" im Januar 1897.

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Zeitschrift für österr. Volkskunde, XIII.