Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

daß sie auf Waldboden entstanden. Es kam öfter vor, daß Franken an eine slawischeNiederlassung ihr Straßendorf anschlossen und ihm den slawischen Namen beließen. DieGermanen konnten allerdings auch das Rundlingsdorf, doch keine slawische Flurteilungübernehmen, weil sie dem in ihrer Sippenverfassung liegenden Grundsatz der regelmäßigvorgenommenen Neuverteilung der Flur widersprach, welche lange Zeit hindurch Gesamt-eigentum der Markgenossenschaft war. Auch paßt die keilförmige Form der slawischenGrundstücke nicht zu ihrer Bewirtschaftungsart.

Die stufen förmige Anlage der Häuser im Plan des Dorfes Eicha( S. 76) ergab sichdaraus, daß die Baustellen vor dem Hausbau geteilt waren und schräg zur Gasse, be-ziehungsweise dem Bache lagen. Es dürfte kaum Absicht gewesen sein, da die Aussichtnach einer Richtung zwar erleichtert, nach der anderen jedoch versperrt ist. Ohne schiefeStirnmauer ist die Sache gar nicht anders zu machen.Anton Dachler.

9. Von nordischer Volkskunst. Beiträge zur Erforschung der volkstümlichenKunst in Skandinavien, Schleswig- Holstein, in den Küstenländern der Ost- und Nordseesowie in Holland. Gesammelte Aufsätze, herausgegeben von Karl Mühlke, GeheimerBaurat. Mit 360 Textabbildungen. Berlin 1906. Wilhelm Ernst& Sohn.( Preis M. 5..)In fünfunddreißig gehaltvollen Aufsätzen aus Denkmalpflege, Zeitschrift für Bau-wesen und anderen Zeitschriften werden von verschiedenen Verfassern, worunter auchder Herausgeber, alte Bauern- und Stadthäuser in Bauart und Einrichtung, Baudenkmaleder Gotik und Renaissance und besonders die volkskundlichen Museen der angeführtenLänder geschildert.

Im ganzen germanischen Norden, wozu in gewissem Sinne auch Niedersachsengehört, hat sich durch die Abhaltung der Römer, die späte Bekehrung zum Christentum,die abseitige Lage und daher die geringere Beteiligung an den verheerenden Kriegenaltes Volkstum in jeder Art um mehrere Jahrhunderte länger aufrechterhalten als inMittel- und Süddeutschland. Der Norden bewahrte uns daher die germanische Mythologie,uralte Gebräuche, Bauweise, Heizung und jedenfalls auch Menschen, die den altenGermanen in vielem näher stehen als die Deutschen. Dies hatte zur Folge, daß ihre Eigen-tümlichkeiten schon seit mehr als hundert Jahren zum Studium anregten. Seither sind dieLänder in dieser Richtung stets an der Spitze gewesen.

Es ist leicht einzusehen, daß auf einem sowenig durchwühlten Boden reiche Ge-legenheit zur Beobachtung alter Bauweise und Sammlung von Hausrat, also zur Anlagevon Museen ist, mehr als sonst in Europa. Hierüber bringt das vorliegende Werk reich-liche Belehrung. Im Jahre 1872 begann Dr. Artur Hazelius mit der Anlage des NordischenMuseums in Stockholm, in einer Zeit, als moderne Einflüsse im Innern des Landes nochkaum zu verspüren waren. 1891 und 1892 fing er an interessante alte Bauernhäuser zuerwerben und zu einem Freiluftmuseum", mit Aufstellung im Freien, zu vereinigen.Diese in Skansen bei Stockholm befindliche Anlage ist einzig in ihrer Art, indem dortüberhaupt Natur und Volkstum von Schweden auf engem Raume dargestellt wurden; dasGanze ist mit einem Volkspark verbunden. Nach diesem Muster sind, mit Beschränkungauf Hausbau und Einrichtung, auch in Schleswig- Holstein mehrere Freiluftmuseen, wie inMeldorf und Husum, entstanden, während man in Kiel über die Vorbereitungen auchschon hinaus ist, außerdem gibt es dort noch andere kleinere Volksmuseen. Hamburg hatseinem großartigen Kunstgewerbemuseum eine volkstümliche Abteilung angegliedert,Altona als Hauptstadt der Provinz Schleswig- Holstein mit Unterstützung von Staats-mitteln ein prächtiges Museum am schönsten Platz der Stadt errichtet, worin eine syste-matische Sammlung von gleichartig ausgeführten Bauernhausmodellen, Bauernstuben undTrachtengruppen der Provinz aufgestellt ist. Sehr reich ist das Flensburger Kunstgewerbe-museum an Möbeln, vom Mittelalter angefangen, desgleichen in Textilarbeiten des Haus-fleißes, während eine Sammlung von Bauernstuben im Werke ist.

Die Freiluftmuseen nach dem Muster von Stockholm sind auch in Norwegen undDänemark nachgeahmt worden, am großartigsten in Christiania, wo man 1881 begann,während eine Anlage in Lillehammer, 180 km nördlich von Christiania, besteht. In