Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mitteilungen.

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Antwort:

Der todt ist ein klumpen schmaltz in eim tiegell, derlebendiger ist ein brennender wich oder docht."

Dies Rätsel ist sehr alt, es findet sich schon in der unter den Werken Alcuinsüberlieferten Disputatio Pipini cum Albino und lautet hier:

Vidi mortuum sedentem super vivum et in risu mortuimoritur vivus"( siehe Zeitschr. f. deutsch. Alt. XIV, 542, 553).

Auch in Herzog Maximilians von Bayern Landtgebott wider die aber-glauben etc., München 1611, ist von tegel- oder scherbenliechter, so siemit schmaltz, vnschlet oder anderm anmachen, die Rede( siehe Panzer,Beitrag zur deutsch. Mythologie II, 281).

Die Kirchenampeln mögen mit dem Fett in der Regel ausgegossen worden seinbei den im Hause verwendeten Lampen war dies keineswegs allgemein, wie Heyne( Deutsch. Wohnungswesen, S. 124, 279) annimmt, der Fall. Das Schmalz oder der Talgwurde gewöhnlich auf die häufig sehr flache Schale gelegt oder gestrichen, wie ich esselbst in Tirol gesehen habe und worauf auch die Fassung des angezogenen Rätsels deutet.

Zum Maisingen.

Von Edwin Zellweker, Leipnik,

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Dieser auf heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnische Feldkulte 1) zurückgehende Brauch findet sich parallel beiDeutschen und Slawen. Doch läßt sich insoferne eine Differenzierung durchführen, als dieSlawen ursprünglich bloß das Todaustragen" kennen, 2) während die Deutschen außerdemden Brauch des Maisingens", id est ein Besingen des Mai( nach Grimm WB. VI, 1473, eine mit allerhand Emblemen gezierte Fichte oder Tanne") besaßen. Mir scheint dasaus der verschiedenen Form der deutschen und tschechischen Mai hervorzugehen, denndie deutschen entsprechen ganz der von Grimm gegebenen Beschreibung die Emblemesind bunte Papierschleifen, eine Puppe ist nie in rein deutschen Gegenden am Mai"zu finden, und wenn es doch vorkommt, so sind es Maibäumchen aus den tschechischenOrtschaften am Heiligenberg bei Olmütz, wo sie massenhaft erzeugt werden und dann ganzNordmähren bis an die schlesische Grenze überschwemmen. Die tschechischen Mai-bäumchen sind mit einer Puppe geziert, die nach meinen Umfragen den Tod bedeutet.Die Tschechen tragen also heute noch den Tod auf den Bäumchen umher, wenn auchder alte Brauch des Austragens" an vielen Orten verschwunden ist. Die Deutschenführen aber nur die geschmückte Pflanze, also das Symbol der neu keimenden Natur-kraft. Das deutsche Todaustragen" ist ein vom Maisingen" getrennter Brauch undwurde erst später in gemischtsprachigen Gegenden mit diesem und dem slawischenBrauch vermischt. Denn die Deutschen kannten zwar in Sitte, Brauch und Literatur einBesiegen der winterlichen Mächte, ein Niederwerfen des Winterdrachens, eine Vernichtungder Winterriesen, doch geschah dies in Süddeutschland am Fest des heiligen Georg, derja auch bei den Slawen die Rolle des nordischen Thor spielt, am 24. April, also umeinen ganzen Monat später als das Maisingen", das am Sonntag Lätare stattfindet.Dagegen war eine Kollision des Maisingens" mit dem slawischen Fest, das am, SchwarzenSonntag, also acht Tage später; stattfand, schon wegen des Termins leicht möglich.Das deutsche Fest fiel in die Mittfasten.³) Die Kirche fixierte es wegen der Neubekehrtenum des Omens willen( Freue Dich!) auf Lätare, den dritten Sonntag vor Ostern. DerSonntag Judica, der Schwarze Sonntag", also der zweite vor Ostern, war aber die Zeitdes tschechischen Brauches, denn er war Jahresende, respektive Jahresanfang, denn bisins sechzehnte Jahrhundert begann bekanntlich nicht nur bei den Slawen 4) das Jahr mit

p. 832.

1) W. Mannhard2: Wald- und Feldkulte, 1904, p. 156.

2) J. Lippert: Christentum, Volksglaube und Volksbrauch, Berlin 1882, p. 616.

3) J. Scheible: Das Kloster, VII. Bd., Stuttgart 1847; F. Nork: Der Festkalender

4) a. a. O., p. 846.