Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mitteilungen.

interessiert er mich, soweit er heutzutage noch praktisch wird. Durch die gütigeUnterstützung einer großen Zahl in- und ausländischer Gelehrter, Richter, Polizei-beamter, Staatsanwälte, Pfarrer, Lehrer u. s. w. sowie durch Sammeln der hierhergehörigen Zeitungsausschnitte, wobei mir das Berliner Zeitungsnachrichtenbureau vonR. Teßmer wesentliche Dienste geleistet hat, ist es mir gelungen, eine große Reihe bisherbrach liegender Materialien der Forschung zugänglich zu machen. Dieser Erfolg ermutigtmich, alle diejenigen, denen diese Umfrage zu Gesicht kommt, zu bitten, mir ihnen etwabekannte Materialien freundlichst mitzuteilen. Es interessieren mich nicht nur alle An-gaben über Verbrechen aus Aberglauben sowie über abergläubische Vorstellungen, diezu Verbrechen Anlaß gehen können, sondern auch alle Nachrichten über Aberglaube derVerbrecher, so über Talismane, Himmelsbriefe u. s. w., sowie über abergläubische Pro-zeduren, durch die man noch heutigentags glaubt, einen Dieb oder sonstigen Ver-brecher entdecken oder bestrafen zu können, so zum Beispiel Bannen, Erbsieh, Erb-

S8:08

Fig 44.

Winzerkrug von Brunn a. St.

Fig. 45, Schüssel, bemalte Fayence, 18. Jahrhundert, Jablunkau.

schlüssel und Erbbibel, Totbeten, envoûtement u. s. w. Jede, auch die kleinste Angabewird dankbar entgegengenommen und unter Nennung des Gewährsmannes veröffentlichtwerden. Nur bitte ich, jede Mitteilung möglichst genau zu machen, also wenn möglich,mit genauer Angabe des Ortes, der Zeit, der betreffenden Personen sowie der Quelle derNotiz zu versehen.

Über folgende Materien wäre mir eine gütige Mitteilung zurzeit besonders erwünscht:1. Manche Leute glauben, ein Meineidiger werde nicht entdeckt, wenn er gewissemystische Mittel anwende, zum Beispiel wenn er beim Schwören den linken Arm aufdem Rücken halte oder das Innere der Schwurhand dem Richter zukehre, oder die Eides-formel verstümmle, oder wenn er Sand im Stiefel habe u. s. w.( Vergl. meine ausführ-liche Abhandlung über Mystische Zeremonien beim Meineid" im Gerichtssaal" 1905.) Istdem Leser darüber etwas bekannt?

2. Ist darüber etwas bekannt, daß Diebe oft am Tatort ihre Notdurft verrichten?Aus welcher Gegend? Weshalb geschieht das? Auf dem Tisch, im Bett oder wo? Werdendie Exkremente zugedeckt? Tun dies nur Gewohnheitsverbrecher? Kennt man den Aus-druck Wächter", Nachtwächter, Wachtmeister, Posten, Schildwache, Hirt" oder

"