Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

60

Weslowski.

eigens hierfür erzeugt. Auch jetzt noch spielt die Kirchentruhe( ladabisercii) eine große Rolle. Ganz kleine Truhen kommen unter demNamen» ladițeșoare« vor. Die Konstruktion der Truhen ist einfach,unterscheidet sich jedoch wesentlich von den Truhen der übrigenNationen. Sie besitzen entweder keine oder ganz kurze Füße. ZurAnfertigung der Truhen wurde Eibenholz, Eichenholz, Ahorn, größten-teils aber Rotbuche verwendet.

Die im Bezirk Kimpolung noch vereinzelt erhalten gebliebenenTruhen aus früheren Jahrhunderten sind graviert, geritzt( Fig. 2326)oder mit eigenartigen Kerben versehen, dabei oft polychromiert, jedochselten mit Metallen eingelegt. Zum Färben der Truhen wurden nur

Fig. 81. Vorderansicht eines Truhentisches in Sadova,

lichtechte Pflanzenstoffe benützt. Oft wurden die Schnitzereien mitfarbigem Wachs eingelassen, wodurch schöne gesättigte FarbentöneDie Schwestern der Braut, in Ermanglung solcher ledige Mädchen von nahen Ver-wandten, stellen sich vor den Truhen zur Wehr und teilen den Brautführern in ge-bundener Rede mit, daß auch sie an der Mitgift der Braut gearbeitet, daher ebenfallsein gewisses Anrecht darauf haben.

Das Abwehren und die Neckereien nehmen erst dann ein Ende, bis die Braut-mutter( nuna mare) die Mitgift der Braut mit einem blanken Silbergulden( früher einemTaler) von den Mädchen loskauft.

Ist die Mitgift bereits in den Besitz der Brautführer gelangt und schicken sich diesean, die Truhen aus der Wohnung herauszutragen, dann stellen sich noch die Freundinnender Braut vor den Eingang der Tür, stecken in die Türschwelle kreuzweise zwei langeMesser, so eine Art Maut( rohatcă) bildend, und wehren die Jünglinge solange ab, bissich auch diese auf die besagte Weise loskaufen.

Sind die Truhen samt der Mitgift leicht, ist somit die Mitgift gering, dann ge-bärden sich die Jünglinge, als wenn sie die Truhen infolge ihrer Schwere nicht tragenkönnten und singen dabei Lieder, die mit dem Refrain endigen, daß die Faulheit einunheilbares Leiden sei.