Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Möbel des rumänischen Bauernhauses in der Bukowina.

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Es gibt mehrere Arten von Truhen. Truhen, in welchen textileErzeugnisse aufbewahrt werden, sind auch zum Sitzen eingerichtet.Sie heißen Thron( tron) dann, wenn die Braut nach der Hochzeitdas Elternhaus verläßt, um ihre neue Wohnstätte zu beziehen.Die schönste Truhe wird dann auf einen von vier bis sechs Ochsenbespannten Wagen aufgeladen, und auf dem noch durch den übrigenTeil der Mitgift erhöhten Platz hat das Brautpaar zu sitzen. Sehr oftwurden Truhen zur Aufbewahrung des Geldes benützt und dann

Fig. 30. Truhentisch aus Vama, 18. Jahrhundert.

sich die Brautmädchen und die Jugendfreundinnen der Braut, gleichgiltig, ob dieselbennoch ledig oder verheiratet sind, um ihrer Jugendgenossin bei der Ausführung der Hoch-zeitsgeschenke behilflich zu sein. Solch nächtliche Zusammenkünfte, şezătoare" genannt,werden in der heitersten Laune zugebracht. Es werden Märchen, Sagen und Anektodenerzählt, Lieder, die auf Braut und Bräutigam, viel mehr jedoch auf die böse Schwieger-mutter Bezug haben, gesungen; dabei wird gekichert und gelacht, aber auch recht fleißiggearbeitet. Verläßt die Braut das Elternhaus und schickt man sich an, die Mitgift auf dieam Eingange harrenden Wagen aufzuladen, dann spielt sich manch bewegte Szene ab.Die Brautführer voran und ihnen nach eine große Schar von Burschen, die Jugendfreundedes Bräutigams, dringen in das große Zimmer ein, um die Mitgift der Braut herauszu-holen, die zum größten Teil aus Erzeugnissen der heimischen Textilkunst, ganzen BallenLeinwand, Handtüchern, Tischtüchern, Teppichen etc., besteht und in Truhen wohl-verpackt vorbereitet steht. Auf den Truhen werden noch Pölster, Wandteppiche, Decken,Pelze etc. aufgestapelt.