Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

Die Möbel des rumänischen Bauernhauses in der Bukowina,

55

Einer lebhaften gewerblichen Tätigkeit erfreut sich die östlichsteOrtschaft des ganzen Gebirges, Peterswald; ihre Einwohner beschäftigensich außer mit Strohflechten auch mit Knopffabrikation und Erzeugungmetallener Kurzwaren( Schnallen, Sporen, Steigbügel, Stock- undSchirmbeschlägen u. s. w.).

Anerkennend muß hervorgehoben werden, daß der Staat, dasLand und auch einzelne Industrielle viel getan haben, um die Erwerbs-tätigkeit dieses von der Natur so stiefmütterlich bedachten Erdstricheszu steigern, daß aber gewiß noch manches geleistet werden muß,damit dessen Bewohner allerorts der Sorge um das tägliche Brotüberhoben seien.

Fig. 26. Sitztruhe aus Pojorita.

Die Möbel des rumänischen Bauernhauses in derBukowina.

Von Elias Weslowski, Kimpolung.

( Mit 15 Textabbildungen.*)

Die Möbel des rumänischen Bauernhauses sind in Form undHerstellungsart wie auch in ihrer Verzierung von hoher Altertümlich-keit. Sie haben sich, wie das rumänische Bauernhaus selbst, imSchutze der Wälder trotz der bewegten historischen Schicksale derBevölkerung und des Landes im ganzen und großen unverändert bisauf den heutigen Tag erhalten. Immer ist der Zusammenhang derHauseinrichtung mit dem Hause ein fester geblieben. Die Häuserselbst, welche mit der Front stets gegen Süden gekehrt sind, werdendurch den Hausflur regelmäßig in zwei ungleiche Teile geteilt: derkleinere Raum( casa cea mică) ist der eigentliche Wohnraum, dergrößere( casa cea mare) ist das Parade- und Gastzimmer, das von denHausbewohnern nur an Sonn- und Feiertagen oder bei sonstigenfeierlichen Anlässen benützt wird. Hier stehen auch zumeist jeneMöbelstücke, von welchen im folgenden die Rede sein soll.

*) Nach photographischen Aufnahmen des k. k. österr. Mus. f. K. u. I. und Tusch-zeichnungen von Alex. Moroșau und J. Georgiţă in Kimpolung.