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Blau.
Der Volksglaube, daß Kopfbedeckungen gegen Kopfschmerzhelfen, wird den nicht wundernehmen, der da weiß und erlebt hat,welch große Rolle Kleidungsstücke in der Volksmedizin bei der Ab-wehr von Krankheitsdämonen spielen. Ich erinnere nur an die Ver-wendung des Brautkittels, der über den Kopf des Kindes gehalten,dessen Fraisen stillen soll. In Oberbayern werden KopfwehkrankenAnastasia- oder Ignazihäuberln aufgesetzt. 31)
Haare und Bart. Die Choden trugen ihre Haare bis in denNacken reichend, in der Mitte gescheitelt, wie noch heute die Slowaken.Auch die bayrischen Waldbauern trugen die Haare so lang.( Reder:» Bayerwald« 93.)
Bei den Choden ist es noch immer nicht üblich, sich die Gesichts-haare lang wachsen zu lassen. Früher erlaubte es die hohe Obrigkeitnicht, nun ist der Bart ihren Frauen ein Greuel. Bärte sind immernoch Ausnahmen. Die deutschen Nachbarn der Choden waren nichtso konservativ, wenn auch der Wirt Peter Weber in Flecken beiRotenbaum, der nach 1848 sich als erster in der Gegend den Bartlang wachsen ließ, davon den Spitznamen» Bartwirt« erhielt, der auchauf seinen Sohn und den Hof überging. Der alte» Bart« hat mirwiederholt davon erzählt.
Das Männerhemd. Es ist für Sonn- und Festtage ausbesserer Leinwand und wird nur wenig gestärkt. Der beiläufig dreiFinger breite Kragen, dann der Bruststreifen sind reich mit weißer( früher auch schwarzer) Stickerei verziert.( Siehe die Tafel II.) Auf derBrust ist es offen und nur beim Hals mit Bändchen oder zweigläsernen Knöpfchen, den sogenannten Pärchen, geschlossen. DieÄrmel sind weit, haben aber enge, blaue Büchslein. Die Ledigentragen über dieses Hemd das Leibchen, welches die bauschigen Ärmelrecht zur Geltung kommen läßt.
Das Halstuch. Um den Hals tragen die Männer ein braunesoder schwarzes Seidentuch mit roten Streifen am Rande. Es wirdin einen Knoten gebunden. Meist ist es nur ein halbes Tuch. Auchdie Egerländer machten vor hundert Jahren immer zwei aus einemTuch; so kauften immer zwei Freunde ein Tuch zusammen undteilten es in zwei Dreiecke. 32)
Die Weste. Ihre Bezeichnung» lajblik« weist auf ihre Ab-stammung hin. Sie ist oder war aus dunkelblauem Tuche, bis zumHalse geschlossen, vorne und hinten mit bunten Blümchen undSträußchen aus Seide bestickt. Besonders reich ist diese Arbeit anden Stehkragen, am Rücken und den Taschen. Der Rand der Westeist mit einem rotwollenen Bande eingefaßt. Dieser rote Flanellstreifen
31) Höfler: Das Jahr im oberbayrischen Volksleben, 1899, S. 17, 31. Das Museumfür österr. Volkskunde besitzt aus Niederösterreich eine„ Fraisenhaube" aus Seide, mitKupferdrucken; aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.
32) John- Grüner: Über die ältesten Sitten und Gebräuche der Egerländer, 109.