Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

Die tschechische Volkstracht der Tauser Gegend.

23

die Taufe läßt man bei der Näherin anfertigen. Die erhält dann alsStoff hiezu seidene Flecke von alten Tüchern oder schadhaftenSchürzen. Diese Hauben erhalten auch ein Futter und werden vonBuben und Mädchen bis ins vierte Jahr getragen, bis die erstereneinen Hut, letztere Kopftücher bekommen.

Der Schnitt des Häubchens ist sehreinfach und für Säuglinge wie für drei-bis vierjährige Kinder derselbe. Gehäkelteund gestrickte weiße Kinderhäubchen, wieman sie in deutschen und tschechischenGegenden und selbst in einigen mitder Mode fortgeschritteneren Dörfern desChodengaues findet, gibt es in dem nochaltväterisch gebliebenen Possigkau nicht.Die alte chodische Kinderhaube hat einenheute wieder ganz modern gewordenenSchnitt. Ein breiter bunter Streifen, dervon der Stirn bis in den Nacken reicht,ist mit zwei andersfärbigen Seitenteilenverbunden, die die Schläfen und Ohrenbedecken.

Fig. 8-10.Chodisches Kinderhäubchen samt Schnitt.

Die Vorderseite ist mit einer weißenKrause oder Kaninchenfell eingefaßt. Inden ersten Kinderjahren sind beide Ge-schlechter gleich gekleidet. Beide tragenüber dem bauschärmeligen Hemdchen einrotes Kittelchen aus leichtem Zeuge, meistaus einem abgetragenen Rocke der Muttergeschnitten. Daran sind Träger von derselben Farbe genäht. Wennzu Ostern die Knaben schon den ersten Hut erhalten haben, eineetwas kleinere Nummer als der Vater, sonst aber dieselbe halb-moderne Dutzendfasson, tragen sie noch geraume Zeit den roten Kitteldazu, der mit den nahenden Schuljahren der Hose weicht. Doch gibt esauch schon Mütter, die den Kleinen gar vorzeitig in die Hose zwingen.Die Mädchen bekommen schwarze Kopftücher, die ähnlich wiedie der Erwachsenen zu einer Haube gebunden werden. Als QuidoManes seine» Christenlehre« malte, trugen die Mädchen noch fastlauter rote Kopftücher.

Mit zunehmenden Jahren wird die Kleidung der Kinder der-jenigen der Erwachsenen immer mehr ähnlich. Die Alltagstrachtam ehesten. Der Hauptstoff derselben ist für männliche Kleidungs-stücke Scherke. Doch werden auch abgetragene Sonntagskleider zurFeldarbeit und zur Schule verwendet. Ältere Männer und Greisebewahren noch teilweise die alte Tracht. Die Werktagskleidung istim Sommer häufig aus weißer Hausleinwand, im Winter auch aus