Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die tschechische Volks tracht der Tauser Gegend.

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Frühzeitig waren unter den Tauser Choden schon Deutscheangesiedelt. Aus Urkunden und Beschwerdeschriften werden unsHanns Hagkhl, Anderl Deutschenschreiber( 1564), Andrä Weiblingervon Tilmitschau, Hanns Plabmann von Klentsch( 1571) bekannt. Eskommt in Chodendörfern der Hofname Němec vor, der FamiliennamePajdar ist die bayrische Dialektform von Peter. Unter den Chodenfinden wir noch andere deutsche Namen: Hausner, Hostreiter, Haindl,Thomayer, Hecht, Wuchterl, Knopf, Tauer, Größl( Kresl), Wiesner,Seidl, Etzl, Bachmaier, Baumann, Bohmann u. s. w. Aus einem Zoglmann wurde ein Cudlman. Die Stadt Taus errichtete vor 1600, dieFreiherren von Lamingen nach 1620 zahlreiche deutsche Dörfer imWald» Königreich« im Norden, Westen und Süden des Choden-gebietes. So ist es auch verständlich, wenn Kebrle in der oben er-wähnten Schrift über zahlreiche Germanismen im Chodendialekt klagt.Über die alte Tracht des Landvolkes in Böhmen weiß man nichtsSicheres. Bei dem geringen Wohlstande und der ungemein gedrücktenLage der frühzeitig zu Leibeigenen des Adels herabgesunkenenweitaus überwiegenden Mehrheit desselben mag sich die Bekleidung.kaum über die Erzeugnisse der Hausindustrie erhoben haben. Heutenoch ist ja das Werktagsgewand des Landmannes zum großen Teilaus Leinen oder Scherke. Weiße Scherke ist heute noch der vor-herrschende Stoff der festtäglichen Tracht in slowakischen Gegenden.Und von dieser slowakischen Tracht nimmt Professor Koula an, daßsie ein Rest der allgemein slawischen Tracht sei, die in Böhmen,Mähren und der Slowakei üblich gewesen, bis sie von westlichenEinflüssen verdrängt worden. 19)

Böhmen war schon immer infolge seiner zentralen Lage undseiner Geschichte ein bedeutender Kulturmittelpunkt Europas; italie-nische, französische, spanische, englische, holländische und vor allemund am kräftigsten und nachhaltigsten deutsche Einflüsse habenfreilich nicht immer ungestört hier eingewirkt, besonders im Adelund im Bürgertum. Bürgerliche Einrichtungen, Lebensweise undTracht wirkten dann zunächst wieder auf die Bauern weiter. Sogehen unsere Bauerntrachten zum großen Teile auf die Moden zurück,die einst von Städtern getragen wurden. Die Bauern haben derenTracht stückweise angenommen, ihren Neigungen und Bedürfnissenangepaẞt, teilweise umgemodelt und dann konservativer als ihre Vor-bilder beibehalten.

So könnte man an jeder unserer Volkstrachten Einflüsse ver-schiedener Nationen, Zeitperioden und Kulturelemente wahrnehmen,überall aber auch etwas Volkseigenes, Reste der älteren Tracht,Eigenheiten in Farbe und Schnitt, in der Freude an der Verzierungder Kleidung durch Weberarbeit, Bänderschmuck und Ausnähkünsteunterscheiden.

19) Siehe Koulas Studie hierüber im Český Lid, I.

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