Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die tschechische Volkstracht der Tauser Gegend.

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heutigen Ortschaften Zditz und Lochowitz im Hořowitzer und Černinim Berauner Bezirk verpflanzt worden sein. Dieser Ansicht schließtsich auch Helfert an. 11) Auch Pangerl, der Verfasser einer inhalts-reichen Abhandlung über die Choden zu Taus 12) hält die Chodenfür Tschechen. Palacký versetzt die( richtig 1039 übersiedelten)polnischen Gedčane ebenfalls in die Gegend des Beraunflusses, jedochmehr westlich, in den Bezirk von Kralowitz, wo die DorfnamenHedčko und Hedčany noch an sie erinnern sollen. ¹³) In der WarschauerZeitschrift» Wisła«, IX, 851, erörtert Bronislav Grabowski diese Meinungvon der polnischen Abstammung der Choden.

In neuerer Zeit liest man die Begründung, daß die Polen auchdeshalb nicht mit den Choden identisch sein können, weil man dochFremde nicht mit der Aufgabe betraut hätte, die Pässe des Landeszu hüten. Auch in der Zeitschrift des deutsch- historischen Vereinesist( XXI, S. 201) diese Erwägung ausgeführt:» Es würde auch höchstsonderbar gewesen sein, wenn Břetislav den im Jahre 1039 besiegtenPolen noch in diesem und dem folgenden Jahre die Grenzen desLandes zur Verteidigung überlassen hätte.<<

Bei näherer Betrachtung erscheint es mir doch nicht so sonderbar.Es liegt mir fern, in diesem Streit der Meinungen Partei zu er-greifen, ich will nur einiges anführen, was für die ältere Meinungspricht und zugleich die Wohnsitze und das eigenartige Volkslebendes Chodenvolkes in einer gewissen Richtung beleuchtet.

Gerade das Wohnen an der Grenze war in älteren Zeiten einunsicheres und höchst gefahrvolles. Wer zum Beispiel die Geschichtedes so reich mit Burgen bewehrten Angeltales von 1400 bis zurMitte des 16. Jahrhundertes verfolgt, die fast nur von Grenzkämpfenmit den Bayern ausgefüllt wird, läßt für unsere Gegend die Wortedes serbischen Guslaren gelten:

So blutgetränkt beschaffen ist das Grenzland:

Mit Blut das Mittag- und mit Blut das Nachtmahl,

Ein jeder kaut im Munde blutige Bissen;

Und nimmermehr kein lichter Tag zur Ruhe! 15)

Gerade das fremde Volk hatte da den ersten Ansturm desFeindes auszuhalten. Ebenso wie die böhmischen Herrscher auchdie deutschen Freibauern südlich von den Choden als Grenzwächterbestellten gegen ihre bayrischen Stammesgenossen auch die Grenzenördlich des Tauser Chodengebietes war Deutschen zur Verwahrunganvertraut, den Choden von Pfraumberg, Neustadtl, Tachau u. s. w.

11) In seiner Abhandlung: Die ehemalige Wald- Veste Böhmien( Mitt. d. geogr. Ges.in Wien, 1870, S. 505, Anmerkung 13.)( Mitt. 13, 144 und 148.)12) Mitt. 13, S. 144 ff.

13) Palacký Geschichte von Böhmen, 1. Aufl. 2. Abdr. I. 280. Anm. 88. Vergl. auchBachmann Geschichte Böhmens, I. Bd., Gotha 1899, S. 219 und 228.

14) Besedy Lidu, 6, 69.

15) Ethnolog. Mitt. aus Ungarn. IV. S. 37. Krauẞ.

Zeitschrift für österr. Volkskunde, XII.

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