Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
12 (1906) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die tschechische Volkstracht der Tauser Gegend.

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Klattau( die drei erstgenannten) und Schüttenhofen( die fünf anderen).Die Künischen oder Königlichen ¹) waren mit Ausnahme der Bewohnerdes Stachauer Gerichtes des südöstlichsten 2) Deutsche undhausten in zerstreut liegenden Höfen. Eine Anzahl derselben bildeteimmer zusammen ein Gericht. Um so manchen dieser Höfe herum ent-stand später eine ganze Ortschaft.

Ganz anders hausten die Choden; diese waren Tschechenund lebten in geschlossenen Ortschaften und in diesen wieder in um-mauerten Höfen, deren sämtliche Fenster gegen den Hof und nichtauf die Straße sahen.

Ich fand die Künischen hie und da mit den Choden für identischgehalten oder verwechselt. In einem Buche über den Böhmerwaldwird sogar die Tracht der Choden den Künischen, ihren deutschenNachbarn, auf den Leib geschrieben. ³)

Die Choden hatten wie die Künischen die Aufgabe, im Falle derGefahr eines feindlichen Einfalles die Grenzwege zu verhauen, dasheißt mit Baumstämmen zu versperren; ferner den Wald vor denEingriffen der anwohnenden Bayern zu schützen, die hier an der bis1764 strittigen Grenze rodeten, Kohlen brannten, Dörfer anlegten, Pechschabten und dergleichen.

Die Choden werden zuerst in der Reimchronik des böhmischenRitters Dalimil genannt, die um 1300 entstanden ist und auch dieNiederlage des Kaisers Heinrich III. bei Taus( 1041) beschreibt, wo esheißt( Vers 2021):

kázal hned všem v les vjíti.

A Chodům les zasekati.( Andere Lesart: zarúbiti. 4)

Und weiter( Vers 2029):

Kdož se na útěk

Chodům jej zabiti( jsem kázal ³).

In Urkunden werden die Choden( zuerst 1489)» Chodowé«<genannt.

Dieser Name wird von ihrer Verpflichtung, die Grenze zu be-gehen( choditi, gehen), abgeleitet.

Anfangs lagen nur zehn Dörfer innerhalb des Tauser Choden-bezirks, der von der bereits bezeichneten Südgrenze gegen Nordenbis an die Straße von Muttersdorf nach Bayern reichte. Es werden

1) Mundartlich heißt der König Küni oder Küne.

2) Dieses ehemalige Stachauer Gericht bildet mit seinen Siedlungen, deren Namenalle auf ov( Hof?), zum Beispiel Jirkalov, Krousov, Churanov u. s. w. endigen, und seinemandersartigen Dialekt eine merkwürdige Insel zwischen den umliegenden deutschen undtschechischen Ortschaften.

3) Zeithammer, Šumava: Kraj a Lid. S. 150.

4) Und befahl gleich allen in den Wald zu gehen.

Und den Choden, den Wald zu verhauen.

5) Wer sich auf die Flucht begibt,

Den sollen die Choden erschlagen( befahl ich).