Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mitteilungen.

in dieser Nacht brennen, und sie können ohne Mühe gehoben werden. Am Ostersonntagzu schlafen, ist eine große Sünde. Wer an diesem Tage schläft, der ist das ganze Jahrschläfrig und wird ihm die Heuernte ganz verregnet. Stirbt jemand an diesem Tage, sokommt seine Seele ins Himmelreich, denn an diesem Tage ist das Paradies offen. Weram genannten Tage weint, der ist das ganze Jahr traurig. Gekochte Eier dürfen amOstersonntag nicht gegessen werden, denn sonst bekommt man einen üblen Mundgeruch.Das Eierpecken ist bei den Rumänen eine der verbreitetsten Sitten und mit viel-fachem Aberglauben verbunden. Derjenige, dessen Osterei beim Pecken ganz gebliebenist, wird länger leben als derjenige, dessen Ei zerschlagen wurde. Auch muß der Be-siegte dem Sieger das Ei ausfolgen, tut er es jedoch nicht, dann wird er im Jenseitsdieses Ei ganz verfault, verdorben essen müssen. Die Personen, die miteinander Eiergepeckt haben, werden sich im Jenseits wiedersehen, deshalb trachten Verwandte undFreunde, miteinander Eier zu pecken. Hat sich jemand während des Jahres verirrt, sọfindet er den richtigen Weg sofort, wenn er sich erinnert, mit wem er zu Ostern Eiergepeckt hat.

Am Ostermonntag begießen die Burschen die Mädchen, damit die letzteren dasganze Jahr rein und frisch bleiben, mit Wasser. Hierfür erhalten die Burschen ein ge-färbtes Osterei und werden mitunter noch gut bewirtet.

Die von den zu Ostern verbrauchten Eiern übriggebliebenen Eierschalen werdenvom rumänischen Weibe Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibe gesammelt und in einen Bach oder Fluß geworfen. Nach zweiWochen sollen die Eierschalen zu einem unter der Erde lebenden rumänischen Volke, Rocmani, Rochmani oder Blajini" genannt, gelangen. Dann weiß auch dieses Volk,daß Ostern sind und feiert das Auferstehungsfest. Daher nennen die Rumänen den zweitenSonntag nach Ostern das Osterfest der Rocmanen. In einigen Gemeinden herrscht derAberglaube, daß aus den Eierschalen, die auf das Wasser geworfen werden, Eier ent-stehen, die dem genannten unterirdischen Volke zur Nahrung dienen.

Zu Ostern werden die Glocken der Kirchen durch drei Tage unaufhörlich geläutet.Hierdurch wird überallhin die Auferstehung Christi und das Erwachen der Natur ver-kündet. Jedes erwachsene Familienmitglied trachtet, ein wenig die Glocken zu läuten,damit die toten Verwandten hören, daß auf Erden das Osterfest gefeiert wird. DieMädchen läuten die Glocken, damit der Hanf und der Flachs gedeihe und vom Hagelnicht vernichtet werde.

In einigen Gemeinden ist es Sitte, daß einzelne Familien sich am Ostermonntagnachmittags am Friedhof versammeln, um auf den Gräbern ihrer Verstorbenen ein Mahlabzuhalten. Sie sagen, daß an diesem Mahle auch die Verstorbenen ungesehenteilnehmen.

In anderen Gemeinden Bukowinas ist es Brauch, daß sich die heiratslustigenMädchen und Burschen an dem genannten Tage am Friedhof versammeln, um ihreMitgift, die aus den schönsten und kostbarsten Kleidern besteht, zur Schau zu tragen.

Über die ,, Les".

Von Fürst Karl Auersperg, Goldegg.

Ein Wiener Arzt teilte mir kürzlich mit, er habe in den Weinbaugebieten umWien öfter, wenn von einem Manne die Rede war, der sich in verzweifelter Lage befand,sagen gehört: Der wartet auch nur auf die Les'".

Auf seine Frage nach dem Sinn dieser Worte erklärte man ihm: Wenn nach derLese der Wein gärt, ist das Betreten der Gärkeller wegen der darin lagerndenKohlensäure, die sich bei der Gärung entwickelt, wie bekannt gefährlich. Bei den Wein-bauern sei es eine übliche Todesart solcher, die ihr Leben freiwillig enden wollen, zusolcher Zeit absichtlich in den Keller hinabzusteigen, um in der Kohlensäure schmerzloszu ersticken.

Mancher angebliche Unfall sei absichtlich aufgesuchter Tod, denn die Erstickungs-gefahr im Gärkeller zur Mostzeit ist ja dem Weinbauer allzu gut bekannt, als daß ersich ilir unvorsichtig aussetzen würde, wenn er nicht die Absicht hat, zu sterben.