Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mitteilungen.

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Die geplagten Ostereier, deren Erzeugung eine Sünde ist, unterscheiden sich vonden beschriebenen Eiern dadurch, daß die Grundfarbe derselben verschiedenfarbig gewähltwerden kann.

Soll der Hintergrund des Ostereies rot bleiben, so wird das weiße Ei zuerst be-schrieben, wodurch die Konturen des Ornaments zum Vorschein gelangen, sodann wirddas konturierte Ei ohne Rücksicht auf die folgende Farbe zum Beispiel in blaue Farbegetaucht. Die Stellen, die blau zu bleiben haben, werden geradeso wie bei den früherbeschriebenen Eiern mit flüssigem Bienenwachs betupft. Nach dieser Prozedur werdendie Eier in Molken oder in eine Säure aus gegärter Kornkleie getaucht. Die angeführtenSäuren lösen die Farbe mit Ausnahme der mit Wachs beschriebenen und betupftenStellen ganz auf, wodurch der Hintergrund und die übrigen Stellen des Eies nach demAbwischen mit einem Leinwandlappen ganz weiß leiben. Das derart behandelte Ei wirdin gelbe, nachher in schwarze, violette oder auch in andere Farben getaucht und nachjedem Kolorit wird die angeführte Prozedur wiederholt. Zuletzt wird das Ei in die roteFarbe, die als Grundfarbe gewählt wurde, getaucht. Das Ei wird sodann erwärmt unddie Wachsschichten mittels eines Lappens entfernt und mit Speck eingerieben.

Der Leinwandlappen, mit dem die Ostereier abgewischt wurden, soll eine heil-wirkende Kraft gegen Blasenkrankheiten der Menschen, Eiterkrankheiten der Kühe, gegenHunde- und Schlangenbisse besitzen, daher er sorgsam aufbewahrt wird.

Das Eierfärben ist zwar eine uralte Sitle, doch wußten die Rumänen diese Sittein christliche Legenden einzukleiden. So wird erzählt, daß die Juden Christus, als er zurKreuzigung geführt wurde, Steine nachwarfen, die sich in rot gefärbte Eier umwandellen.Andere meinen, daß die Schweißtropfen Christi während der Kreuzigung sich in roteEier verwandelten und zur Erde niederfielen und zum Andenken an die Leiden des Er-lösers immer zu Ostern Eier rot gefärbt werden. Schließlich wird noch erzählt, daßNikodim von Arimathäa, der den Leib Christi beerdigen wollte, den Leichnam nur durcheine List erhielt, indem er den Kindern des Pilatus bunt gefärbte Eier schenkte, wofürdiese den Leichnam Christi von ihrem Vater erbaten.

Das Auferstehungsfest wird bei den Rumänen, die sich in der Bukowina zurgriechisch- orientalischen Konfess on bekennen, rituell stets unmittelbar nach Mitternachtgefeiert. An diesem kirchlichen Feste nehmen sämtliche gesunden Mitglieder der Familieteil. Ja es gibt Personen, die das ganze Jahr nicht in die Kirche gehen, die aber an derAuferstehungsfeier stets teilnehmen.

Bevor sich der Rumäne in die Kirche begibt, wäscht er sich mit einem roten Eiund einem Silberstück, welche in eine Waschschüssel gegeben werden, damit er rotund gesund das ganze Jahr bleibe und damit er Geld das ganze Jahr besitze. Jünglingeund Mädchen waschen sich auch mit Basilikenkraut, damit sie das ganze Jahrgeliebt werden.

In den schönsten und besten Kleidern und in der Hand ein große Kerze haltend,begibt sich der Rumäne mit seiner oft zahlreichen Familie schon vor Mitternacht indie Kirche.

Der nach Ostern noch übriggebliebene Teil der Kerze wird aufbewahrt und beigroßem Gewitter angezündet. Hierdurch werden Hof und Haus vom Blitzschlag verschont.

Wenn der Ruf des Priesters während des Auferstehungsfestes in die Menge ertönt:Christus ist auferstanden!"( Christos a înviat), dann erwidert das versammelte Volk be-geistert: Wahrlich, er ist auferstanden!"( Adevĕrat c'a înviat), dann ertönen Pöller-schüsse und sämtliche Glocken werden in Bewegung gesetzt, die während dreier Tageunaufhörlich geläutet werden.

Personen, die beim ersten Pöllerschuß in den Fluß springen und ins Wassertauchen, bleiben das ganze Jahr frisch und gesund, und waren sie bis dahin krank, danngenesen sie bald.

In der Auferstehungsnacht öffnet sich der Himmel, aber nur die von Gott Be-gnadigten können dieses himmlische Schauspiel sehen. Auch die begrabenen reinenGoldschätze, das sind solche, welche nicht von bösen Geistern bewacht werden, sieht man