Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Vom Brisiltabak und seiner Bedeutung im Volksleben der Böhmerwaldgegend. 87

im Himmel ein erpichter Brisilschnupfer.*) Maximilian Schmidtschreibt in seiner Erzählung» Der Herrgottsmantel«, die in unsererGegend spielt, folgendes über die Liebe des Waldbewohners zumBrisil:

» Die Unterhaltung wird unter fortwährendem Hin- und Her-reichen des Brisilglasels geführt.« Und an anderer Stelle:» Bevor sichder Waldler des Morgens wäscht, stärkt er sich durch eine Prise;bevor er sein Gebet verrichtet, schnupft er bedächtig; gibt es etwaszu denken, so stärkt er sein Hirn mit einem» Schnüpfl«. Er kannnicht lachen, ohne dazwischen zu schmalzln und abends zu Bettliegend, schläft er nicht ein, bevor er nicht eine ausreichende Nacht-prise genommen; er hungert und dürstet lieber, als er diesen Tabakentbehrt, und schmeckt er ihm nicht mehr, so ist das ein sicheresZeichen von Krankheit, denn:

' s Lebm und nix gfreut'n melir,

Gfreut'n koa' Schmalzla melir.

Was schon ein rechter Schnupfer ist, der schnupft auch währendder Nacht. Zu gewissen Stunden wird er wach und greift nach Glasund Schnupftuch, die schon im Griffe liegen.

Das» Tabak machen«. Nach vor etwa zwanzig Jahren hattehier jeder Ort, das Bezirksstädtchen Neuern nicht ausgenommen, eineoder zwei Winkeltrafiken, in denen aus ungeeichten Gefäßen undmit obskuren Gewichten das heiß begehrte Nasenfutter zugemessenwurde. Der Trafikant war immer auch zugleich Erzeuger des fettenPulvers, und nicht selten auch derjenige, der ihn in eigener Personund nicht ohne Gefahr über die Grenze gebracht hatte. Dieser Er-werbszweig verhalf seinerzeit vielen Anwohnern der Grenze bis weitüber die Sprachgrenze, ins» Bejm«( Böhmen) hinein zum täglichenBrote. Heute ist dies nur wenigen mehr ein karger Nebenverdienst.Kleinhäusler, Inleute, dann Ausnehmer oblagen ihm; heute gibt sichnur mehr hie und da ein Inwohner damit ab. Diese Hantierer, meistselbst ihre besten Geschäftsfreunde, erhielten von ihren Kunden dennoblen Titel» Trafikant«<, auch» Verleger«.

Doch gab es auch solche verwöhnte Schnupfernasen, die derManipulation des Verlegers wenig Zutrauen schenkten und sich denBrisil selber machten. Oft ist auch das Fehlen eines Brisilverlages imOrte ein zwingender Grund hierzu. Auch gibt das Selbermachenunter den Schnupfern eine Art Ansehen, Würde.» Jeder ist stolzauf seinen, Selbergmochtn' oder, Selmgmochtn' und teilt davonseinem Nachbar mit.<<**)

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Wie die Brisilbereitung geschieht, will ich im folgenden zu be-schreiben versuchen.

*) Festschrift des deutschen Böhmerwaldbundes, Budweis 1904: Der Böhmer-wäldler vor der Himmelstür".

**) Schmidt: Herrgottsmantel".