Mitteilungen aus dem Verein und dem Museum für österreichische Volkskunde. 79
die Heizung allein umfaßt. Nach Bedarf sollen abnehmbare Teile vorhanden sein, wodurchder Einblick ermöglicht wird.
Zimmereinrichtungen mache man aus starker, guter Hanfpappe und über-ziehe sie mit färbigem Papier. Kasten werden aus einem Stücke gemacht und bemalt.
Der Anstrich, ob er nun den der Wirklichkeit wiedergibt oder einen Zustandvortäuschen soll, wird in den meisten Fällen am besten in Wien gemacht werden, außeres wäre am Orte der Anfertigung ein in derlei Arbeit geübter Anstreicher zur Stelle. Imersten Falle muß eine genaue Beschreibung mitfolgen. Wegen Reinhaltung soll bei Holzin Naturfarbe ein Anstrich mit Mattlack gemacht werden. Im Innern ist weißer Anstrichnicht nur der Wirklichkeit entsprechend, sondern auch vorteilhaft, da er die Räume hellerscheinen läßt. Nur Einrichtung, Decke oder Täfelung müssen wahrheitsgetreu gestrichenwerden.
Aufstellung von Menschen- oder Tierfiguren ist unnötig.
Außen am Hause kommen die Niederlaube im Hofe und die Hoch-lauben in den oberen Geschossen mit genauem Anstrich zur Nachbildung. DerBrunnen ist nicht unbedingt nötig. Der Düngerhaufen wird durch ein Brettstückmit Bemalung dargestellt. Das Aborthüttchen kann aus einem vollen Stückebestehen.
An passender Stelle soll vorne auf dem Boden oder der Grundplatte eine A u f-schrift, welche Ort, Namen und Nummer, Eigentümer des Hauses, Maßstab undAnfertigernamen enthält, angebracht werden. Das Ganze ist in eine solide Kiste derartzu verpacken, daß auch durch Stürzen keine Beschädigung erfolgen kann.
Es ist in allen Fällen nötig, eine Beschreibung folgen zu lassen, welche kurz überLage und Wirtschaftsverhältnisse des Gutes, Alter, wenn interessant, auch über dieGeschicke des Hauses, Abweichungen von der gewöhnlichen Form der Gegend, Ver-zierungen von Decke, Giebel, über Vertäfelung, Inschriften, Sprüche, Heizungseinrich-tungen, Rauchabzug, Bauart von Türen und Fenstern und Möbel berichtet. Auch sind.Anleitungen über den noch zu machenden Anstrich nötig.
Die Ausführung eines Hausmodells für das Wiener Museum für österreichischeVolkskunde, wo dasselbe von Fachmännern aller Länder eingehend besichtigt wird, solleine würdige sein. Wenn auch keine Prachtarbeit verlangt wird, so muß dieselbe dochvon Verständnis, Geschick und Übung des Herstellers zeugen. Gewöhnlich können solcheArbeiten außer den fachgebildeten Arbeitern nur jene ausführen, welche von Natur ausAnlage und Freude mitbringen.
Es ist klar, daß für jeden, der sich der hier gesetzten Aufgabe widmen will, dienächstgelegenen Häuser am besten sich eignen. Doch können auch ferner gelegene gewähltwerden, wozu jedoch eine ziemlich vollständige verständige Aufnahme gehört, die alle nötigenMaße und Beschreibungen enthält, da sonst die Arbeit mangels weniger Daten entwederunmöglich ist oder unrichtig wird. Ansichtskarten und Photographien sind gute Behelfe.Auch nach einer guten Zeichung kann die Anfertigung geschehen, obschon die Augenschein-nahme nicht leicht zu entbehren ist.
Die Frage der Honorierung der Arbeit soll im vorhinein abgemacht werden, unddie Museumsleitung wird jenen Herren, welche Zeit und auch Geld zur Ausführung auf-gewendet haben, eine Gratifikation zukommen lassen, welche für ein Wohnhaus durch-schnittlich 100 Kronen beträgt,
Die Museumsleitung hofft außerdem, daß Körperschaften, Museen, Gutsverwaltungenoder Private, welche dem entwickelten Vorhaben Sympathie entgegenbringen, dergleichenModelle, welche sie schon besitzen, wenn sie auch nicht allen Bedingungen entsprechen,oder welche sie neu anfertigen lassen, unserem Museum schenken oder doch zur Auf-stellung gegen Wahrung des Eigentumsrechtes überlassen werden. Aber nicht nur Modelle,auch Photographien, Stiche und Zeichnungen solcher Häuser und der in ihrer Nähebefindlichen Kapellen, Glockentürme und Bildstöcke würden mit Dank angenommen undals Geschenke oder auch als Leihgegenstände ausgewiesen werden. In den Mappen vielerAmateurphotographen schlummern zahlreiche Hausaufnahmen, welche Forschern mitunter