Eine ethnologische Expedition in das Bojkenland.
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Eine ethnologische Expedition in das Bojkenland.Von Dr. Ivan Franko, Lemberg.
( Mit 10 Textabbildungen.)
I.
Auf Antrag der Ševčenko- Gesellschaft der Wissen-schaften in Lemberg sowie des Vereines für österreichischeVolkskunde in Wien wurde im Laufe des vergangenen Sommersin Lemberg eine wissenschaftliche Expedition zur anthropologisch-ethnologischen Erforschung des sogenannten Bojkenlandes organisiert.Die Expedition bestand aus dem Schreiber dieser Zeilen,der aber leider nur einen Teil ihrer Reise mitmachen konnte, ausdem Professor Theodor Volkov aus Paris, dem Herrn ZenoKuzela, Hörer der Universität in Wien, sowie dem Herrn IngenieurPaul Riabkov aus Rußland, welcher nur den letzten Teil derReise mitmachte. Nach vorangegangener Korrespondenz wurde be-schlossen, in Anbetracht der kurz bemessenen Zeit nur einen Teil desBojken territoriums in Angriff zu nehmen, mehr weniger die Streckezwischen Lutovyska und Lavočne auf Gebirgswegen zu durchquerenund von Lavočne bis nach Synevidsko den Opir- und Stryjfluß abwärtsder Eisenbahnstrecke zu folgen. Dieser Plan wurde auch wirklichausgeführt.
Die Expedition dauerte im ganzen etwas länger als einen Monat( vom 18. August bis zum 24. September), wobei zwei Mitglieder,Professor Volkov und Z. Kuzela, die ganze Zeit tätig waren,Dr. Franko am 5. September nach Lemberg zurückkehrte und HerrRiabkov erst am 15. September sich der Expedition anschloß. DieAufgabe der Expedition wurde so präzisiert, daß dieselbe hauptsächlichanthropometrisches Material, Photographien der Typen und Trachtensowie Gegenstände der materiellen Kultur, respektive ihre Modelleund Abbildungen für die Museen der Ševčenko- Gesellschaft derWissenschaften und des Vereines für österreichische Volkskundesammeln sollte. Das Gebiet des Folklore und der sogenannten be-schreibenden Ethnographie( Gebräuche, Volksglaube) wurde nur ge-legentlich gestreift, da die Zeit für eine ersprießliche Sammeltätigkeitauf diesem Gebiete zu kurz und wenig geeignet( im Gebirge waren daeben die dringendsten Feldarbeiten) und die Kräfte der Expeditionzu klein waren. Für ihren Zweck war die Expedition mit einem voll-ständigen anthropometrischen Apparat nach dem System des Man-ouvrier sowie mit zwei photographischen Apparaten ausgerüstet;außerdem wurde in Lemberg ein kleines photographisches Ateliereingerichtet, wo Herr P. Riabkov die ihm zugeschickten Plattenhervorrief und so ohne große Kosten die Fertigstellung einer ansehn-lichen Sammlung von Photographien( zirka 500 Stück) ermöglichte.
Zeitschrift für österr. Volkskunde. XI.
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