Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Lentner.

er den Unterinntaler Hut, ebenfalls schwarz oder doch recht dunkel-grün, wie ihn nun seit etlichen Jahrzehnten auch die Zillertaleradoptierten und wie er am ganzen Inn, auf dem Innsbrucker Mittel-gebirge, im Wipptale und allerwärts im Lande den breiten Nach-folgern den Rang abgewinnt, so daß derselbe im Ausland ausschließlichals» Tiroler Hut« gilt. Vor hundert Jahren scheint der Spitzhut ganzdünn gesäet gewesen zu sein, dagegen in allen bajuvarischen Land-strichen, von Seewinkeln bis ins Pustertal, stets floriert zu haben,obwohl ihn nicht alle säuberlich bei Rand und mäßiger Höhe er-hielten und zum Beispiel die Schlierseer ihn ungebührlich an derKrempe beschnitten, die oft kaum einen Finger breit ist. Auch imBerchtesgadner Landl, Chiemgau, Pongau, Garmischgau etc gilt nochvielfach der Spitzhut, in Bayern immer grün, bald dunkler, baldheller. Auf Bildern aus dem Ende des 16. und Anfang des 17. Jahr-hundertes erscheint er neben der Krause fast als bei den Bauern aller-orten üblich, in Kastelruth erscheinen die Hochzeiter noch ganz so,zudem rot behemdet, zum Sprechen ähnlich dem guten» Hanswurst«<,wie er auch als Zieler bei den Scheibenschießen prunkt. Votivtafeln.von 1630 im Lechrain um Schongau zeigen das gleiche Gewand.*)Beim Spitzhut können wir auch seinen Aufputz abtun. Breite Bänderscheinen auf ihn erst vom breiten Hute übertragen worden zu sein,kommen auch nur als seltener Staat vor; eine dicke Schnur schlingtsich mit Troddeln um den Inntaler Hut, die Bayern und Salzburgerwissen sie am Spitz an einer Seite festzuhängen, die Etschländerwinden oben um den Gupfen ein schwarzes Samtband mit einerSilberschnalle und einem Goldbortstreifchen daneben, unten, wo dieKrempe anwachst, macht ein rotes Schnürchen die Grenze. InTegernsee wird er gern mit feingefältelter Seide gefüttert. Bei denoberflächlichen Betrachtern gebirgischer Dinge gilt- wie der Hut derhausierenden Handschuhhändler als Prototyp- die Ansicht, alle Bubenund Männer in Tirol schmückten ihre Hüte mit Gemsbart, Geierflaum,Spielhahnfeder und dergleichen jägerhaftem verwegenen Wildzeug.Man trifft auf diese Sitte merkwürdigerweise- aber nur da, woüberwiegend der bajuvarische Stamm sich nachweist, also ganz be-sonders im Oberland Bayerns, in den unteren Inn- und dessen Seiten-tälern, auch im Pustertale. Da gelten dann die Fehdezeichen dernach vorne gesteckten» Federln«, die Hauptleute der Schützen führeneinen ganzen» Stoß«, und ein schönes Federspiel ist neben der Bindedas Ziel stutzerischer Bemühung bei allen Buben, die als Tänzer,Schützen, Wilderer und Schwärzer Berühmtheit erlangten. Man wird,

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*) Ein altbayrisches Volkslied sagt:

Vor Zeit'n war a gupfata Huet

Und um' n Hals a Krag'nA Zaich'n von an machtig'n Guet,

Jatz konn ma koan dafrag'n."