Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Über Volkstracht im Gebirge.

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Beschaffenheit in der Gebirgstracht nachzuweisen, macht am meistenSchwierigkeiten. Man wird wohl auch die allgemein üblichen, dasganze Bein bedeckenden Hosen aus Wolle oder Linnen suchendürfen, doch möchte in den freien Bergen die Liebe zum Praktischenund Bequemen viel früher und kecker Strumpf und Beinkleid miteinem Schnitte gelöst haben, als es die Mode in den letzten Jahrendes 16. Jahrhundertes nur sehr zaghaft tat, nachdem sie nebenbei nochlange nur mit einer Teilungsandeutung durch Kniebänder, Schleifenund Rosen sich abfand und erst unter Ludwig XIV. das engeBeinkleid definitiv also operiert ward. Könnte nicht einmal einein den Niederungen der Gesellschaft gewachsene Sitte Gnade gefundenhaben vor den Augen der von oben Herabblickenden? Für die Periodeder wahrhaften Hirtenhemden und Brusttücher mag, ja kann mankaum Modeeinflüsse gelten lassen, und doch zwingt der Beruf unddie Lage ihrer Träger als stete Bergsteiger, die durch nichts beengtsein konnten, anzunehmen, daß der Gebirgsbauer längst das Kniefrei trug, ehe der in der Ebene ziemlich zwecklos sein Beinkleiddarunter teilte. Es finden sich auch sehr alte Belege für die» Gsaß-hosen« und die» Beinhösl«<, deren erstere von den Hüften bis obersKnie, letztere aber vom Kniebug bis an die Knöchel reichen. DieGesäßhosen mögen vorerst, ehe die Pluderhosen aufkamen, aus Lodenoder Linnen ziemlich weit und kurz, ja nicht am Beine geschlossengewesen sein, wie sie um Schlier- und Tegernsee in den bajuvarischenMarktälern u. s. w. noch heute vorkommen. Lederhosen erscheinen langeals Luxustracht und sind es noch in manchen Tälern, ihre verbreitetereEinführung geht nicht über die letzten Fünfzigerjahre des 17. Jahr-hundertes zurück. Sie heißen im Gegensatze zu den wirchenen undlodenen die» geschmitzten Hosen«, von» schmitzen« schmieren, färben,besonders schwarz. Auf burgundischem, dann auf alemannischem Bodenbauschte man zweifelsohne die ersten Ploder- oder Pumphosen zu-sammen, bis zum Übermute Elle an Elle faltend, aus Leinen, selteneranderen Stoffen.*) Die armen Bergbäuerlein schnitten sie geduldigwieder mit von selbst gebotener Maßhaltung aus Loden. So findenwir sie noch mit roten Zwickeln am Knie und roten und weißenZugbändern( Nesteln) am Bunde( Plödargsaß) bei unseren Gewährs-männern für die eisgraue Tracht der oft genannten Duxer. ImZillertale wurden sie erst im Anfange des vorigen Jahrhundertsmehr und mehr beseitigt, wie denn überhaupt zwischen ihnenund ihren duxischen Hintertalnachbarn bis dahin kaum einanderer Unterschied, als der an einigen Ausschmückungen sichzeigt, da auch der berühmte Zillertaler Hut dort etwa Neu-modisches ist, wie es sich zeigen wird. Peter Prosch, der Hof-tiroler, der wandernde Schalksnarr aus Ried im Zillertale, nennt

*) Entsprechend dem, haut de chausse et bas de chausse" der Franzosen, demBrunch und Hoso der Deutschen am Monte Rosa. 1