Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Leutner.

Die grüne Gegenwart wird ohne Mühe die Beweismittel dar-bieten, auch für ein Jahrhundert rückwärts getraue ich mir Gut-erhaltenes in natura zu stellen, seit ich zu Bödmen unfern Mittelbergim unteren Walsertale beim alten Daniel Müller, einem Bauer vonechtem Schrot und Korn, die Hochzeitsschuhe seines Urgroßvatersvom Jahre 1696 nagelneu vorfand; immerhin gebe ich indessen zu,daß schon für die genannte Zeit, noch mehr aber für darüber hinausdie Belege karg werden, wenn nicht, wie schon gesagt, die Trachtvon heute auch als Beweis rückwirkend zu Hilfe wäre und unsihren Ursprung ermitteln hilft. Wir haben vorerst zu erfahren, wodie Bauern ihre Tracht geborgt haben, als sie die ältere, mit ihnengleichsam verwachsene ganz oder teilweise änderten, und darüber

Fig 1. Tiroler Trachten( Landleute aus der Gegend von St. Johann).

Nach einem alten Farbendruck von Transquillo Mollo, Wien.

gibt uns jede Bilderchronik wie jeder Ahnensaal in einem altenSchlosse befriedigende Auskunft. Die vor Zeiten entlehnten Garderobe-stücke der vornehmeren Welt aber am Leichnam der Bauern gleich-zeitig oder in der nächsten Folge nachzuweisen, dafür müssenwir uns begnügen mit dem wenigen, was aus diesem Stande alseigentliches Kleiderbild vorhanden ist; besonders auf Votivtafeln inWallfahrtskirchen, Begräbnisbildern, Hausverzierungen und seltenenPorträts einzelner besonders Reicher. Schriftliche und gedruckteDokumente, mit Ausnahme geringfügiger Andeutungen in Geschichten,Statuten, Reiseschilderungen, boten das wenigste, um vieles mehr diemündlichen Mitteilungen alter Leute, die ich vielfältig auf Treu undGlauben gebe, wie ich sie nehmen mußte.

Das aufmerksamste, eifrigste Sichten und Suchen in dem Kleider-wuste der alten und neuen Zeit führt zu der bald sich erprobendenAnsicht, daß die heutige Bauerntracht im Gebirge zum Teil ihrenUrsprung habe in dem Gebrauche jener Zeit, wo im Schnitt undFug der Unterschied zwischen dem Herrn und Grundholden kein so