Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

170

Literatur der österreichischen Volkskunde.

Ungarn ist auf den Seiten 52, 28, 29, 70, 71 und 78 vertreten. Die vollständigmangelnde Ortsangabe vermindert den Wert der hübschen Darstellung. Die Häuserentstammen, mit Ausnahme der auf Seite 29 gebrachten, dem ethnographischen Dorfe derTausendjahrausstellung von 1896. Seite 25 sehen wir das Haus des Csango- Magyaren in Sieben-bürgen, auf Seite 78 das deutsche Handlovaer Haus aus der ungarischen Slowakei, dasselbenochmals unterhalb davon am rechten Ende der Abbildung, worauf gegen links zwei rumänischeHäuser aus Siebenbürgen folgen, das erste in Blockwerk, das zweite mit( wahrscheinlich)bemalter Lehmwand aus den Komitaten Hunyad und Krassó- Szöreny, welch beide ohne Ver-schulden des Verfassers so untypisch sind, wie man sie eben hingestellt hat. Seite 28, rechtsoben, ist die Type der Székler Hauses mit den nicht volkstümlichen Bögen in der Giebel-laube. Allem Anscheine nach sind auch die übrigen Häuser auf Seite 28 derselben Aus-stellung entnommen, während die von Seite 29 aus dem Alföld unzweifelhaft echt sind. Daserste Bild zeigt uns die Niederlaube im Hofe mit dem roten, zum Trocknen aufgehängtenPaprika, die anderen Gassenansichten mit dem ursprünglichen, dem ungarischen Alföldeigentümlichen Schlot aus Schindeln auf dem Dache.

Nicht wenig ist an Zimmereinrichtung gebracht, so auf Seite 22 die interessanteStube im Obergeschosse der Obermühle" in Wallern mit Stuckdecke, Türumrahmung inversuchter architektonischer Auffassung, Geschirrstelle, Tisch mit Kasten im einzigen Mittel-fusse und der zierlichen Wandleuchte. Seite 89 enthält zwei reichgetufferte Stuben mit verziertenHolzdecken aus Reinek(?) in Tirol, zweifellos heute von gewöhnlichen Bauern bewohnt,was die wenig hineinpassenden Öfen und Einrichtungen bezeugen, einst gewiß das Heimbevorrechteter Bauernadeliger.

Dem Museum für österreichische Volkskunde sind viele Abbildungen von Stubenund Einrichtungen entnommen, wie Seite 70, rechts oben, die mährische, darunter diekärntnerische, unten die oberösterreichische Stube, von welcher auf Seite 78, rechts obenund unten in der Mitte, Fortsetzungen erscheinen. Seite 79 die schlesische und Kuh-ländler und Seite 78, links unten, die steirische Stube. Die eine Wiege der mährischenSlowaken ist mit dem Raben bemalt, der bei ihnen die Rolle unseres Storches spielt,nebenan eine Wiege aus Steiermark, Seite 95 die Ofenwand der Egerländer Stube.Außerdem sehen wir auf Seite 34 und 35 das Innere einer Fischerhütte mit einemHerde und die Stube eines Fischerhauses in Grado, auf Seite 63 bemalte Möbel aus demtschechischen ethnographischen Museum in Prag dargestellt. Seite 94 bringt zu den in derStube sichtbaren Möbeln ebenfalls aus dem Museum für österreichische Volkskunde( derReihe nach einen Stuhl aus Kärnten, aus dem Kuhländchen, bei Neutitschein in Mähren,wieder aus Kärnten) noch einige seltsame Stücke: einen Pinzgauer Spinnstuhl mit ein-seitiger Lehne, eine der gewöhnlich paarweise vorkommenden Stuhllehnen mit mensch-lichem Profil aus Niederösterreich, eine Wiege mit Ritzverzierung aus Gottschee undunterhalb einen Kinderstuhl aus Krain.

Von ungarischen Stubeneinrichtungen ist auf den Seiten 70 bis 72 mehreres zusehen. Auch hier harren Rätsel der Lösung. Seite 70 zeigt alle Merkmale der Stube derSiebenbürger Sachsen mit dem hohen Bett", der Ausstellung von besticktem Leinen, denhemalten Truhen und anderen Möbeln, dem offenen Herde mit Kachelmantel, obwohlmehrere der Merkmale auch für die Székler und Csango- Stube zutreffen. Unterhalberkennt man trotz der Biedermeiereinrichtung an dem Frauenparadepelz und der Tschutraauf dem Gläserkasten eine magyarische Stube. Auf Seite 71 ist oben links wahrscheinlicheine Székler Stube.

Von den Trachtenbildern können wir auf Seite 28 an keine Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypen glauben, untenist vielleicht eine Rumänin, Seite 29 Magyaren aus dem Alföld, Seite 70, links, Magyaren,beziehungsweise Székler, rechts wieder eine Rumänin( das Gebetbach in ihrer Hand mitdem griechischen Kreuze lässt darauf schließen), Seite 94 Huzulinnen aus Jaworów, Seite 95eine Egerländer Bäuerin abgebildet. Die technische Ausführung allein ist meisterhaft.

Der große Reichtum des Werkes läßt auf jeder Seite Fragen entstehen, die zumgroßen Teile unbeantwortet bleiben müssen. Wie man sonst in der Regel bei vielenBüchern den Mangel an Abbildungen bedauert, so hier den eines Begleitwortes. DieBeschreibung ist auffallend unvollständig und unzureichend. Es mag zur Not hingehen,